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Erster Bericht

Montag, 25. August 2008 | Autor: birte

Die letzten Wochen in Deutschland

Die letzten Wochen waren von Stimmungsschwankungen geprägt und ich machte mir viele Gedanken über alles und jeden.  Das änderte sich natürlich in der letzten Woche auch nicht wirklich, vor allem, weil ich beim Packen feststellte, dass 20 kg (ich darf für dieses Jahr nur 20 kg Gepäck, plus 7 kg  Handgepäck mitnehmen) ganz schön wenig sind. Ich bekam von vielen Leuten zu hören, dass ich mir nicht so viele Gedanken machen sollte, ich könne doch vor Ort auch fast alle Sachen kaufen….

Wie dem  auch sei, ich packte ein und wieder aus und wieder ein und wieder aus und fertigte 2 Häufchen an, mit Sachen, die meine Eltern auf jeden Fall und eventuell  noch per Post schicken müssen… . Letztendlich zeigte dann die Waage am Donnerstagabend genau 20 kg an, so dass ich meinen letzten Abend und meinen letzten Tag in Godshorn doch noch genießen konnte.

Die Reise

22. August 2008, 17.45 Uhr:

Als Mama, Papa, Natalie, Christoph und ich den Flughafen betraten, waren Urte und Nele schon dort.  Ich brachte mein Gepäck zum check-in und bekam die freudige Nachricht, dass mein Koffer bis Addis Abeba durchgecheckt werden könne. Nele guckte begeistert zu, wie mein Koffer auf die Waage gestellt wurde (es waren 20,5 kg, aber das hatte keine Konsequenzen) und mit dem Fließband wegfuhr. Fertig mit dem einchecken, kamen auch Karsten, Claudia und Jason noch, um sich von mir zu verabschieden (oder waren alle nur da, um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich einsteige!?).  Genauer möchte ich auf den Abschied nicht eingehen, er war sehr emotional (obwohl ich nicht die erste war, die angefangen hat zu heulen…, ne Claudia?). Die  Sicherheitskontrolle kaum hinter mir gelassen, fing ich an, mich auszupellen (2 T-Shirts, eine Strickjacke, eine Fleecejacke und die Regenjacke waren schweißtreibend).

20.30 Uhr Ankunft in Frankfurt. Dort wurde ich von Judith und Ben in Empfang genommen. Wir verbrachten zusammen noch etwa eine Stunde Zeit, bevor ich dann um 21.45 Uhr zum Boarding musste. Pünktlich um 22.20 Uhr ging es dann mit Emirates in Richtung Dubai. Die Maschine war schon ganz cool, zwar meines Erachtens nicht so gut wie Singapur-Airlines, aber dennoch sehr gut. Das Essen schmeckte sehr lecker und es war ein angenehmer Flug. Turbulenzen gab es trotz Gewitterleuchten kaum. Nachdem um 0.45 Uhr  das Tablett abgeräumt wurde, gelang es mir tatsächlich knapp drei Stunden zu schlafen. Erwähnenswert ist noch, dass die Klimaanlage so gut funktionierte, dass ich trotz Decke froh war, sowohl meine Strick- als auch meine Fleecejacke griffbereit zu haben…

23. August 2008, 4.30 Uhr (deutsche Zeit): Ankunft in Dubai (Ortszeit: 6.30 Uhr)

Da das Flugzeug auf dem Rollfeld halten musste, wurden wir mit Bussen zum Terminal gebracht. Beim Ausstieg aus dem Flugzeug musste ich sofort an die „ 3 Wetter Taft“ Werbung denken…was für eine Hitze! Der Flughafen selbst erinnert an eine riesige Shopping-Mall, unglaublich. Und wie viele Menschen sich dort herum trieben…

Anderthalb Stunden später saß ich dann in der nächsten Maschine der Emirates, auf dem Weg nach Addis Abeba. Dieses Mal hatte ich zwei Sitzplätze für mich allein und verbrachte die Zeit bis zum Essen damit, Fotos zu machen. Nach dem Essen machte ich es mir bequem und schlief noch einmal 1,5 Stunden, dann setzten wir auch schon wieder zur Landung an.

Ankunft in Äthiopien, Addis Abeba

Noch in der Maschinesitzend, fiel mir draußen auf dem Rollfeld ein Soldat auf, der mit Maschinengewehr auf der Schulter an seinem Häuschen stand.

Ich war eine der ersten Passagiere, die das Flugzeug verlassen durften. Allerdings wurde ich bei der  Passkontrolle noch einmal weggeschickt, um ein Formular auszufüllen, so dass ich letztendlich fast als letzte an meinen Koffer kam… aber immerhin war er da. Also machte ich mich gut gelaunt endlich auf dem Weg zum Zoll, um den Flughafen zu verlassen…, als ich plötzlich von einem Soldaten abgefangen wurde. Ich könne nicht einfach meinen Koffer mit raus nehmen, es müssten erst das Ticket und die Kofferkennung verglichen werden, sonst könne ja jeder mit jedem Gepäckstück das Gebäude verlassen…  Als ich mit dem Ticket darauf wartete, dass der Soldat es mit meinem Koffer vergleichen würde, trat ein Äthiopier auf mich zu, sagte, sein Freund stünde draußen (ich sah Thorsten auch schon mit seinen beiden Jungen dort stehen), nahm mein Gepäck und drückte dem Soldaten ohne Kommentar das Ticket in die Hand. Dann gingen wir zum Zoll, brauchte den Laptop dieses Mal nicht auspacken und auch meinen Gürtel ließ ich um und standen kurz danach vor Thorsten. Dieser drückte dem Äthiopier etwas Geld in die Hand und dann fuhren wir (Joel, Jonah, Thorsten und ich) von dem einen Ende Addis Abebas bis zum anderen Ende der Stadt, zum compound der Hermannsburger Mission. Dort angekommen, begrüßte mich Stephi, Thorstens Frau, und zeigte mir alles. Wir unterhielten uns, spielten mit den Kids und gegen 17 Uhr fuhren wir alle zusammen zum Hilton (nicht nur ein Hotel, sondern auch eine kleine extra Welt für die wohlhabenderen Leute, genau wie das Shereton), wo ich Geld abhob und mir eine sim-Karte kaufte. Es gab tatsächlich auch gerade mal welche, ist hier keine Selbstverständlichkeit… . Das sms Netz ist dürftig, so dass ich keine Nachrichten versenden kann, das Telefonieren hingegen klappt, ist aber teuer. Wie es andersherum funktioniert, bleibt zu testen…  Anschließend gingen wir im “Melting Pot“ Essen. Ich bestellte mir „Tibbs“, ein äthiopisches Gericht.

Fazit des Tages: Viel habe ich von Addis noch nicht gesehen, aber es ist gut, dass ich mich nicht darauf verlassen habe, dass ich hier sicherlich alles bekommen würde….

24. August 2008

Heute Morgen fuhr ich mit Stephi und den drei Kids zur Deutschen Gemeinde, um dort am Gottesdienst teilzunehmen (Thorsten predigte in einer  Englischen Gemeinde). Da es der erste Gottesdienst nach der Sommerpause war, wurden alle NEUEN begrüßt und sollten sich kurz vorstellen. Es herrschte eine sehr nette Atmosphäre. Die Lieder wurden mit Klavier, Horn und Querflöte begleitet. Im Anschluss an den Gottesdienst fand vor dem Gemeindehaus eine typisch äthiopische Kaffeezeremonie statt. Die Kaffeebohnen werden dazu frisch geröstet. Ich habe natürlich – obwohl ich ja eigentlich keinen Kaffee trinke – eine Tasse probiert und habe danach gleich noch eine zweite Tasse Kaffee getrunken…  Der war wirklich ausgesprochen lecker! Während des Kaffeetrinkens kam ich mit verschiedenen Leuten der Gemeinde ins Gespräch, war sehr interessant. Die Mitglieder sind alle mit verschiedenen Organisationen und über unterschiedlich lange Zeiträume in Äthiopien.

Von der Deutschen Gemeinde aus fuhren wir dann zu einer anderen deutschen Familie, bei der wir zum Mittagessen eingeladen waren. Auf dem Weg machte  ich aus dem Auto heraus ein paar Fotos, denn beschreiben lässt sich Addis nur schwer. Wenn wir an Kreuzungen halten müssen, dauert es meist nicht lange, bis irgendwer an die Fensterscheibe klopft und um Geld bittet. Es kommt auch vor, dass Leute neben dem Auto her laufen. Überhaupt laufen die Leute oft auf der Fahrbahn oder überqueren diese zumindest ohne zu gucken, auch gern mit ihren Schafen oder Eseln. Stephi hätte fast einen Äthiopier überfahren, weil er auf ihr Hupen überhaupt nicht reagierte… .  Allerdings waren wir darüber schockierter als der Typ selbst.

„Richtige“ Läden gibt es hier übrigens nicht viele. Es sind meist kleine Lädchen, die eine Art an Ware verkaufen. Also entweder Obst oder T-Shirts oder Schuhe oder Werkzeug oder… Natürlich gibt es hier auch Lädchen, die man evtl. mit einem deutschen Kiosk vergleichen könnte. Dort gibt es dann auch Telefonkarten zum Aufladen u.ä. , aber es wirkt etwas „chaotisch“, klein und unsortiert.

Die größten und tollsten Gebäude gehören den Banken oder großen Unternehmen mit viel Geld.

Was ich überhaupt nicht vertrauenserweckend finde, sind die Baugerüste… Es ist erstaunlich, dass die Gebäude dennoch gerade werden…

Vor dem Abendbrot habe ich den compound das erste Mal alleine verlassen und bin zur Hauptstraße gegangen, um eine Telefonkarte zu kaufen. Mit Englisch durchzukommen war kein Problem. Ich traf am ersten Laden auf Nahome, einen Äthiopier, der mir half, auch dem Verkäufer im zweiten Lädchen auf amharisch klar zu machen, dass mir eine Karte im Wert von 25 Birr nicht ausreicht, wenn ich damit ab und an nach Deutschland telefonieren möchte. Ich unterhielt mich noch eine Weile mit Nahome. Er war sehr freundlich und auch nicht aufdringlich, dennoch lehnte ich sein Angebot mich zum Kaffee oder Tee im Café gleich nebenan einzuladen, mit der Begründung, es gäbe gleich Abendbrot (was ja nicht einmal gelogen war). Er lud mich ein, wenn ich mal wieder nach Addis käme, mich bei ihm zu melden, er würde mir die Stadt zeigen. Ich speicherte mir seine Nummer im Handy, obwohl ich mir fast sicher bin, dass ich mich niemals bei ihm melden werde. Ich kann nicht abschätzen, ob er einfach nur nett und hilfsbereit war  (das war er definitiv) oder ob er andere Absichten hegt…  Er ist ohne Zweifel sehr hübsch, war gut gekleidet und kaufte in der für Äthiopien qualitativ recht guten (und somit teuren) Apotheke ein…, aber dennoch bekam er meine Nummer nicht, da ich sie zum Einen nicht auswendig weiß und zum Anderen ja kein Geld mehr hatte, um ihn anrufen zu können (Letzteres entsprach nicht ganz der Wahrheit, für Telefonate im Inland reicht das Guthaben noch). Er akzeptierte die Argumente ohne Gegenfrage. Ich bedankte mich bei ihm noch einmal für seine Hilfe und verabschiedete mich.

Während der halben Stunde, die ich alleine unter den Äthiopiern verbrachte, hatte ich nicht einen Moment ein ungutes Gefühl. Ich wurde weder angebettelt noch angebaggert. Morgen werde ich dann mal das Internetcafé suchen, das es hier in der Nähe geben soll.

25.8. 2008

Heute Morgen war ich mit Juergen bei der Deutschen Botschaft, aethiopische Papiere beantragen. Mittags waren wir chinesisch essen und eben bin ich mit nem Minibus-Taxi zum <6 Kilo> gefahren, um mich mit einer anderen Deutschen zu treffen. Ein kleines Abendteuer, aber davon berichte ich demnaechst… Bin jedenfalls angekommen und sitze jetzt im internetcafe. Morgen geht es nach Hossaina.

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