Die Woche des Meskel-Festes (11. Bericht)
Sonntag, 28. September 2008 | Autor: birte
22. September 2008
Heute Nachmittag hatten Jürgen und ich ein Treffen mit Leuten des HIV-Projektes der Synode. Es ging in erster Linie darum, ob ich mich in dem Projekt engagieren könne. Des Weiteren besprachen wir mit ihnen unser Vorhaben bezügl. Semenesh und bekamen Zustimmung, dass es das Beste sei, mit ihr nach Addis zu fahren. Nach dem Gespräch fuhren wir zu Semenesh, um noch ein paar Kleinigkeiten mit ihr zu klären. Wir fuhren auch mit ihr zu einer Bekannten, um zu fragen, ob auch sie mit nach Addis kommen könnte. Sie sagte sofort zu. Während wir dort waren, fing es mal wieder heftig zu regnen an, so dass Jürgen und ich uns spontan verabschiedeten und schleunigst ins Auto sprangen…, denn die Straße (vergleichbar mit Ackerboden) drohte, sich aufzulösen und in Schlamm zu verwandeln. Obwohl wir recht schnell nach Beginn des Regens aufgebrochen waren, war die Fahrt eine absolute Rutschpartie und wir konnten froh sein, nicht in den seitlichen Gräben gelandet zu sein. SOO leer habe ich die Straßen noch nie erlebt, es goss in Strömen.
Abends war ich dann noch kurz bei Jürgen und telefonierte anschließend noch mit Stephi in Addis. Zu meiner großen Überraschung bekam ich dann noch einen Anruf von Otti aus Deutschland, über den ich mich riesig freute.
23. September 2008
Mittags war ich bei Jürgen zum Mittagessen eingeladen, es gab Injera. Wir besprachen noch ein paar organisatorische Dinge und den Nachmittag verbrachte ich bei Ritters. Franz muss demnächst für ca. 2 Wochen nach Deutschland fliegen.
24. September 2008
Jürgen und Semenesh fuhren heute Morgen nach Addis. Ich bin in Hossaina geblieben.
Nach der Schule ging ich mit Jan nach Hause. Heute war Marian, eine Amerikanerin, auch bei Ritters zum Essen eingeladen. Da ihr Internetzugang gestern gekappt wurde, nahm ich sie anschließend mit zu mir, damit sie meines nutzen konnte. Währenddessen klopfte es plötzlich an die Tür. Emnet fragte, ob sie mich besuchen dürfe. Ich bat sie herein und kochte für uns drei einen Tee. Emnet brachte mir ein bisschen Amharisch bei und lud mich für Freitag zum Mittagessen ein. Zwischendurch kann noch eine Äthiopierin vorbei und gab mir einen Bericht über Wogayos (Frauenarbeit der Synode) Arbeit inklusive einer Einladung zum Essen am Meskel-Samstag. Diese Einladung muss ich leider absagen, da ich mit Franz und Klaus zu einem Meskel-Fest fahren werde. Marian ist wohl auch bei Wogayo eingeladen und sagt für mich ab. Marian und ich hatten übrigens festgestellt, dass ich –wir vermuten es ist Johanniskraut- in meinem Garten habe. Wir taten die Blätter in unseren schwarzen Tee und es schmeckte sehr gut. Abends kam Franz noch einmal vorbei, um nach meiner Toilette zu sehen. Er meinte, ich könne sein Holz für meinen Kamin bekommen, da seiner ohnehin nicht abziehe. Wir schafften also das Holz in meine Wohnung und probierten den Kamin gleich aus. Anfangs funktionierte das einwandfrei, ich war völlig begeistert. Als es jedoch zu regnen anfing und ein Wind aufkam, war es mit der Freude vorbei… Die gesamte Butze wurde geräuchert… Das war dann wohl das erste und letzte Mal, dass ich den Kamin genutzt habe…
Ich habe vorhin mit Semenesh telefoniert, es scheint ihr ganz gut zu gehen.
25. September 2008
Heute kam während der Schulzeit der Softdrink-Eselskarren. Ich gab meine leere Kiste ab und orderte eine neue gemischte Kiste Pepsi-Sprite. Nach der Schule kam Marian zu mir, um noch einmal mein Internet zu nutzen. Wir tranken einen Tee und kurze Zeit später wurde meine Getränkekiste geliefert. Nachmittags nahm ich ein warmes Bad (ist schon klasse, jetzt wo der Druck beim Duschen stabil und das Wasser warm ist) und fuhr gegen 17 Uhr mit Franz in die Stadt. Ich brauchte noch Orangen, die ich auf Amharisch bestellte und ich verstand sogar, die Antwort auf meine Frage, was das Kilo kosten solle (da hat die erste Amharisch-Stunde ja tatsächlich schon etwas gebracht J). Franz wollte eine neue Kneipe, in der es Fassbier gibt, ausprobieren. Wir fanden sie und tranken ein Bierchen. Ich wollte unbedingt endlich den äthiopischen Tej probieren (angeblich ein Honigwein), so dass wir noch in eine andere „Kneipe“ fuhren, in der es ausschließlich Tej gibt. Dort saßen und bedienten ausschließlich Männer, so dass ich froh war, mit Franz dort eingekehrt zu sein. In Nullkommanichts hatte sich eine Horde (betrunkener) Männer um uns versammelt. Die äthiopische Spezialität ist gewöhnungsbedürftig. Davon abgesehen, dass sie wie Maracujasaft schmeckt, der mit viel – sehr viel – Wasser gemischt wurde, haut der Alkohol auch ganz schön rein…
Anschließend hielten wir noch bei Klaus (er ist seit heute wieder in Hossana) und seiner äthiopischen Freundin Hanna. Franz wurde gefragt, ob er im November als Trauzeuge fungieren würde. Während wir dort waren, klopften die Nachtwächter an Klaus‘ Tür und tanzten (Meskel-Tradition) und wir gaben ihnen jeder etwas Geld. Ich rief dann noch bei Semenesh an, bzw. wurde von Jürgen auf den aktuellen Stand gebracht.
26. September 2008
Heute Vormittag mahlten Jan und ich Weizenkörner zu Mehl. Wir behandeln im Sachunterricht gerade das Thema „Vom Korn zum Brot“. Franz kam zwischendurch in die Schule, um sich zu verabschieden. Er fährt heute nach Addis, um morgen nach Deutschland zu fliegen. Um 13 Uhr kam Emnet und holte mich ab. Wir fuhren mit dem Dreiradtaxi bis zur Orthodoxen Kirche, sie wohnt dort in einer Nebenstraße. Ihre kleinen Brüder öffneten uns die Tür und ihr Vater begrüßte mich auf Amharisch, was ich auch ganz gut erwidern konnte. Im Haus begrüßte mich ihre Mutter auf Englisch und war etwas irritiert, als ich sie auf Amharisch begrüßte. Emnet bat mich, Platz zu nehmen und ragte, ob ich „Atakana“ mögen würde. Ich sagte, ich hätte es bisher noch nicht gegessen. Sie entschuldigte sich, das hätte sie nicht gewusst. Ich konnte ihr zum Glück auf Englisch verständlich machen, dass ich mich ja freue, wenn ich etwas Neues probieren dürfe. Sie erklärte mir, dass es aus Aib (Frischkäse), Butter, Zwiebeln und Knoblauch gemacht würde. Als ihre Mutter uns beiden das Essen brachte, servierte sie ein grünes Gemisch dazu. Ich wurde gebeten, ein Gebet zu sprechen. Kurz darauf kam der Vater ins Zimmer und meinte, ich solle vorsichtig sein und nur ganz wenig von dem grünen Gemisch (da’ta) nehmen. Es handle sich um grünen Chilli. Für den Hinweis war ich äußerst dankbar J. Ich sagte Emnets Mutter auf Amharisch, dass das Essen sehr lecker sei (ja, ich gebe zu, diese Vokabeln habe ich mir am Mittwoch speziell zu diesem Anlass beibringen lassen). Das schien sie zu freuen. Nachdem wir gegessen hatten, aßen auch ihre Eltern. Anschließend gab es Kaffee und dann zeigte mir Emnet das Haus. Ich durfte ein Foto von der Küche (bzw. dem Injera-Herd) machen. Sie zeigte mir auch die Toilette, die ich für euch ebenfalls fotografierte… Mir wurde der Friseursalon der Mutter gezeigt, mit dem Hinweis, ich könne mir ja mal eine afrikanische Frisur machen lassen (warum eigentlich nicht!?) sowie der „beauty-Laden“ (shampoo, Ohrringe, etc.).
Gegen 16 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Meskel-Zeremonie, die wir vorab schon im Fernsehen live aus Addis gesehen hatten, aber über das „Meskel-Fest“ berichte ich euch separat (siehe extra Seite im Menu).
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