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Dritter Bericht

Montag, 1. September 2008 | Autor: birte

29. August 2008
Heute Morgen wachte ich mit Kopfschmerzen und einer laufenden Nase auf. Die Paracetamol hatte ich – warum auch immer – wohl in Deutschland gelassen. Nicht optimal, aber ich hoffe einfach mal, dass ich das auch so schnell in den Griff bekommen werde. Ich fuhr mit Jürgen ins Zentrum, ein paar Dinge erledigen und vor allem meinen Internetaccount beantragen. Es kann noch 2 Wochen dauern, bis ich endlich Zugang habe, aber ich soll Montag mal den Zuständigen auf Handy anrufen und fragen, ob der account schon eingerichtet ist. Er zeigte mir die Post und anschließend fuhren wir zu dem Mädchen, von dem ich euch neulich berichtete. Sie ist 18 Jahre alt und muss für sich und ihren jüngeren Bruder (12 Jahre alt) sorgen. Ihre kleinere Schwester lebt jetzt bei einer Tante in einer anderen Stadt. Das Mädchen war vor kurzem sehr schwer krank und ist sowohl gesundheitlich als auch psychisch am Boden. Ich werde sie die Tage noch einmal alleine besuchen und fragen, ob sie mir nicht Amharisch beibringen möchte. Ich werde ihr dadurch hoffentlich mit ihrem Englisch weiterhelfen und ihr vor allem ein bisschen Geld zahlen können. Das braucht sie wirklich dringend. Und dann hoffe ich stark, dass wir wirklich herausbekommen warum sie ihr Zeugnis nicht bekommen hat, bzw. dass wir das Zeugnis bekommen, so dass sie berechtigt ist, die Schule weiter zu besuchen. Das würde sie zumindest psychisch wieder aufbauen.
Nachmittags machte ich mit Jürgen einen Spaziergang über den compound und zur Schule für Taubstumme. Auf dem Rückweg suchten wir nach undichten Stellen im Zaun, die Nichtbefugten den Eintritt zum compound ermöglichen. Ich habe ein riesiges Loch entdeckt und war alles andere als schwer begeistert als ich merkte, dass es direkt zu meinem Garten führt. Nun ja. Gut zu wissen.

30. August 2008

Heute Morgen rief Jürgen an und fragte, ob ich mit ihm zu Mittag essen wollen würde. Die Einladung nahm ich gern an, auch wenn es mir gesundheitlich nicht so toll geht. Ich ruhte mich –während Tagesetsch auf dem Markt war – noch ein wenig aus und ging dann um 13 Uhr zu Jürgen. Um 15 Uhr verabschiedete ich mich und verbrachte den Rest des Nachmittags völlig erschöpft mit Lesen auf dem Sofa. Um 18 Uhr rief Gudrun an, sie wollte das Telefonieren mal ausprobieren. Fand ich ja nett.

31. August 2008

Es hat mich so richtig umgehauen, ich liege den ganzen Tag nur auf dem Sofa.
Ich habe mir übrigens schon ein paar Floh-und Mückenstiche zugezogen. Mir kommt es vor, als lebten die Mücken überwiegend in meinem Haus und nicht draußen… Die Flohstiche sind gar nicht soo schlimm, bisher habe ich nicht einmal Salbe gegen den Juckreiz verwenden müssen, auch die Mückenstiche kommen mir harmloser vor als in Deutschland (nein, angenehm ist wahrlich etwas anderes, aber ich hatte es mir deutlich schlimmer vorgestellt).

1. September 2008

Heute Morgen wusch ich Haare. Das warme Wasser funktioniert übrigens immer noch genauso wenig wie die Toilettennutzung, aber was soll’s, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht einmal fließend Wasser zur Verfügung hat, werde ich mich mit dem, was ich habe wohl arrangieren können. Später rief ich dann bei der Telefongesellschaft an. Angeblich funktioniert mein Internet ab Donnerstag, aber wer weiß das schon, der Typ am anderen Ende sprach kaum Englisch und meine Amharisch Kenntnisse reichen dafür lange nicht aus… Lassen wir uns also überraschen. So schlimm finde ich es momentan gar nicht, meine E-Mails nicht regelmäßig abrufen zu können… Immerhin verbringe ich im Moment nicht mehr jede freie Minute vor dem PC und mit Gedanken, die sich um den Jugendausschuss drehen. Ich fühle mich ein bisschen wie im Urlaub. Ich genieße die Natur, die neue Kultur und die Sonne (oder den Regen – ja, ob ihr’s glaubt oder nicht, ich kann dem Regen wirklich etwas POSITIVES abgewinnen. Immerhin führt die Dürre hier in Äthiopien dazu, dass etwa die Hälfte der Menschen an Hunger leiden und unterernährt sind. Da freut man sich doch über den Regen. Er hält ja auch meist nicht lange an und dann scheint wieder die Sonne, mit ihrer ganzen Kraft).
Anschließend fuhr ich dann ins Zentrum, um Toilettenpapier zu kaufen. Mein Schnupfen hat dafür gesorgt, dass mein gesamter Vorrat mittlerweile verbraucht ist. Auf dem Weg kaufte ich dann gleich noch Brot und Glühbirnen und versuchte, Postkarten zu besorgen. Entweder gibt es hier so etwas tatsächlich nicht oder mein Amharisch war zu schlecht…
Ich werde Fu-Lan bei Gelegenheit fragen.
Im Brotladen bestellte ich meine 6 Brote auf Amharisch, allerdings habe ich nicht verstanden, was ich bezahlen muss. Ein etwa 11 Jähriges Mädchen teilte mir daraufhin in fließendem Englisch mit, dass ich 7 Birr und 50 cent zu zahlen hätte. Wir unterhielten uns noch eine Weile, sie fragte woher ich käme und ob ich jetzt in Hossana wohnen würde, wie mir die äthiopische Kultur gefiele und ob die Leute nett zu mir seien. Ich fragte sie, wo sie so fließend Englisch gelernt hätte (der typische afrikanische Akzent fehlte ihr völlig). Sie antwortete, dass sie in der Schule besonders gut aufpasse, damit sie später einmal nach Europa gehen könne.
Als ich wieder nach Hause kam, war das Essen bereits fertig. Ich nahm meine Medikamente und ruhte mich nach dem Essen aus, indem ich mich auf meine Veranda setzte und las. Der kleine Ausflug war (vielleicht auch verstärkt durch die Wärme) ganz schön anstrengend! Nachmittags kam Fu-Lan dann noch vorbei, um mir Schulmaterial zu bringen. Sie fragte, ob es für mich okay sei, wenn wir erst am Montag mit dem Unterricht beginnen würden. Donnerstag müssten sie nach Awasa und würden mich – wenn ich Lust hätte – gerne mitnehmen. Was für eine Frage. Am Samstag fahre ich mit Jürgen zu einer Schuleinweihung. Ihr seht schon, unter Langeweile leide ich hier bisher keineswegs.

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2 Kommentare

  1. 1
    Annika 

    Uh, krank is nich gut…Mich hatte es letzte Woche auch erwischt, schwere Bronchitis… :(
    Wünsch Dir “Gute Besserung”!!

  2. 2
    ottilia 

    Mich hat es auch erwischt schnupfe und schniefe hier rum!!!!
    Ganz liebe Grüße und Gute Besserung wünschen wir Dir!!
    Liebe Grüße auch von Christoph!!!

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