Oft kommt es anders als geplant (10. Bericht)
Sonntag, 21. September 2008 | Autor: birte
15. September 2008 – Addis
Heute Morgen machten wir wie gewohnt Unterricht. Der einzige Unterschied war, dass wir in einem Gästezimmer saßen, ohne Tafel. Das gesamte Schulmaterial hatten wir mitgenommen. Um 10.30 Uhr klopfte es an unsere Tür und die anderen beiden deutschen Kids (3. und 5. Klasse, Deutsche Fernschule) fragten, ob sie zusammen Pause machen wollten. Das war natürlich super und wir verlängerten die Pause auch gleich deutlich. Die Gelegenheit muss ja schließlich genutzt werden. Mittags war ich bei Steffi und Thorsten zum Essen eingeladen. Nachmittags passte ich ein wenig auf die Kids auf, bzw. spielte mit Joel und Jonah Uno, während Jan und Tobias mit deren Spielsachen spielten. Abends aß ich auch bei Schuerhoffs und brachte die Kids mit ins Bett. Die Jungs – hauptsächlich Joel – wollte gern, dass ich die Geschichte vorlas und ich tat ihnen den Gefallen. Mache ich ja gern J.
16. September 2008
Schulisch gibt’s nicht viel zu berichten, lief ähnlich ab wie gestern. Nach dem Unterricht fuhr ich gleich mit Ritters nach Addis rein, um DVDs, eine Duschbrause mit Schlauch, einen Verschluss für den Wassertank und natürlich eine Toilette zu kaufen. Wir aßen unterwegs zu Mittag und waren fast 6 Stunden unterwegs. Man muss ja in tausend verschiedene Läden, um diese Dinge zu besorgen… Außerdem hatten Fu-Lan und Stefan auch noch Dinge zu erledigen.
Abends waren Ritters und ich bei Schuerhoffs zum Essen eingeladen. Bezügl. Der Bezahlung vereinbarte ich mit Steffi, dass wir uns morgen im Laufe des Vormittages treffen würden, dann könnte ich noch lesen und morgen etwas ausschlafen, da keine Schule stattfindet.
17. September 2008 – Es kommt immer anders als man denkt…
Um 8 Uhr wurde ich von Fu-Lan geweckt. Sie wollten los, Dinge in Addis erledigen. Da die Kids noch schliefen (sie waren ja lange mit bei Schuerhoffs gestern), sollte ich doch bitte ein Auge auf sie werfen, bis sie wiederkämen… War wohl nichts mit ausschlafen…. Ich duschte also und ging dann herüber. Tobi wollte sich von mir nicht die Schuhe anziehen lassen und blieb lieber im Haus. Jan spielte schön draußen und machte dann seine „Hausaufgaben“, da ja heute keine Schule ist. Mittags kochte ich den Kids Nudeln, die wir netterweise von Thorsten bekommen hatten. Um 15.45 Uhr kamen Fu-Lan und Stefan wieder. Wir packten schnell alle Sachen und fuhren dann um 17 Uhr Richtung Hossaina. Unterwegs kaufte ich noch Bananen. Wir sahen mehrere Hyänen, eine große direkt auf der Fahrbahn in Hossaina. Gegen 20.40 Uhr luden mich Ritters zu Hause ab. Ich kehrte noch kurz bei Franz ein, da er meinen Schlüssel hatte.
18. September 2008
Nach dem Unterricht fuhr ich mit Franz nach Hossaina rein. Ich ließ Passfotos für meine Kontoeröffnung machen, außerdem brauchte ich Nägel und einen Hammer. Wieder zurück, bauten Franz und ich den neuen Verschluss für den Wassertank ein und verlegten mein Telefon- und Internetkabel neu, so dass ich jetzt nicht mehr im Büro sitzen muss, sondern an meinem Schreibtisch im Wohnzimmer sitzen kann.
19. September 2008
Heute wachte ich mit tierischen Kopfschmerzen auf. Fu-Lan half mir netterweise mit Paracetamol aus. Während der Schulpause lief ich schnell zu Jürgen, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Um 14.30 Uhr bekam ich Besuch von Wogayo, sie kämpft für die Rechte der Frauen (sie arbeitet für die Synode). Während des Treffens brachte mir Jürgen meine Toilette und Verandamöbel vorbei, die Steffi und Thorsten mir netterweise für das Jahr leihen. Später waren Ritters, Franz und ich dann bei Jürgen zum Kaffeetrinken eingeladen. Wir entschieden uns, spontan noch Essen zu fahren. Ich ging kurz nach Hause, um mir eine Jacke zu holen (abends ist es hier echt kalt). Plötzlich standen zwei junge Mädels vor meiner Tür. Sie wollten mich kennenlernen. Sie kennen meine Vorgängerinnen und wollten sich mir vorstellen. Ich sagte, dass es gerade sehr ungünstig sei, aber sie dürften ein anderes Mal gerne wiederkommen. Die Namen habe ich mal wieder vergessen. Ich werde sie das nächste Mal fragen… Wir fuhren also essen, ich bestellte „special tipps“, die in einem Gefäß mit brennender Kohle serviert wurden. Sehr lecker.
20. September 2008 – Es kommt anders als man denkt
Heute Vormittag fuhr ich mit Franz nach Hossaina. Danach baute Franz meine Toilette zusammen und stellte fest, dass wir, bevor wir sie installieren können, erst einmal das Rohr im Badezimmer versetzen müssen…
Jürgen rief gegen Mittag an und meinte, er wolle zum Markt, sein Rind fürs Meskel Fest (nächste Woche Samstag) begutachten und wollte wissen, ob ich mit wollte. Ich sagte zu und eine Stunde später machten wir uns auf den Weg. Wir wollten noch kurz bei Semenesh vorbei, ihr das Zertifikat geben, das Jürgen am Mittwoch in Addis ausgehändigt bekommen hatte. Ihr ging es nicht gut, so dass wir mit ihr zum Arzt fuhren (Beim Anblick der Arztpraxis wurde mir bewusst, dass ich hier niemals krank werden möchte… – die Bilder sind bereits online…– Die Spritzen z.B. werden zwar gewaschen, aber wiederverwendet… gut, dass ich meine eigenen mit habe…). Er nahm Blut ab, kam aber letztendlich zu keinem Ergebnis. Typhus und Malaria konnten angeblich ausgeschlossen werden. Um eine richtige, vernünftige und aussagekräftige Untersuchung zu veranlassen, ist es nötig, Semenesh möglichst bald nach Addis Abeba ins Krankenhaus zu bringen und auch ein CT machen zu lassen. Uns ist klar, dass wir die Kosten tragen werden (5000 Birr werden die Behandlung, Unterkunft und Verpflegung wohl kosten, auch ein Wasserfilter, der ca. 500 Birr kostet, ist zwingend notwendig).
“Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.” (Hermann Hesse).
Die Leute, die das Rind für das Meskel-Fest besorgen wollten, haben sich übrigens den ganzen Tag nicht telefonisch gemeldet. Werde Jürgen morgen mal fragen, was daraus geworden ist…
21. September 2008
Heute schlief ich ziemlich lange (ich war gestern noch bis 3 Uhr online, zwischendurch hatten wir mal wieder keinen Strom) und lud danach Fotos hoch. Franz schaute kurz vorbei, außerdem bekam ich Besuch von einem der Mädchen, die am Freitagabend hier waren. Sie heißt Emnet. Sie blieb nicht lange, meinte aber, dass sie bald wieder käme. Wenn ich wollte, würde sie mir auch Amharisch beibringen. Später traf ich Heidi (Deaf School) noch draußen. Diese Woche brauche ich noch keinen Computerkurs zu machen, da wenige Schüler da seien.
Jürgen hat sein Rind übrigens bekommen und er meint, es sei fast zu schade, um es zu schlachten…
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