Fahrt nach Addis (9. Bericht)
Donnerstag, 18. September 2008 | Autor: birte
13. September 2008
Heute Vormittag lud ich ein paar Fotos hoch und fuhr dann mit Franz nach Hossaina rein. Ich musste die Fotos von Semenesh abholen und ich hatte ihr ja versprochen, Trinkwasser zu kaufen. In meinem letzten Bericht hatte ich – glaube ich – vergessen zu erwähnen, dass sie mir gestern etwas zu Trinken angeboten hat. Die Plörre hat erstens total widerlich geschmeckt und zweitens wurde sie mit Wasser gemischt, das weder abgekocht noch gefiltert war. Ich bin heil froh, dass ich keine Magenprobleme bekommen habe… . Es regnete in Strömen und Franz bereute seinen Entschluss etwas, mich zu Semeneshs Haus zu fahren. Die Straßen (vergleichbar mit Ackerboden) waren durch den Regen absolut matschig und kaum befahrbar. Dennoch erreichten wir Semeneshs Haus und sie freute sich unheimlich. Wir hatten leider kein Teff bekommen, also drückte ich ihr das Geld dafür in die Hand. Gerne würde ich den Ausdruck ihrer Augen mit euch teilen. Es lässt sich nicht beschreiben wie viel Freude und Dankbarkeit sich darin widerspiegelten. Franz und ich gingen dann im Mobil-Hotel noch etwas Essen. Ich bestellte mir Dibs mit Indjera, Franz bestellte sich zu Dibs Brot, da er kein Indjera mag. Dazu tranken wir ein Bier. Von unterwegs rief ich Thorsten in Addis an und fragte, ob ich heute schon mit Jürgen kommen könne. Thorsten teilte mir mit, dass das unterkunftstechnisch kein Problem sei. Er fragte mich, ob ich dann morgen Abend auf die Kids aufpassen könne, was ich ihm zusagte.
Jürgen und ich fuhren um 16 Uhr in Hossaina los und hielten nach ca. 1 Std 45 Min in Butadijera, um einen Makijato zu trinken. Die Fahrt war für Jürgen relativ anstrengend, da wir im Dunkeln fahren mussten und die Straße viele Schlaglöcher hatte, die auch durch den Regen nicht gut zu erkennen waren. Gegen 20 Uhr erreichten wir Addis. Wir entschieden, noch etwas essen zu gehen, bevor wir zum compound fuhren. Wir entschieden uns für das „top view“ Restaurant. Es liegt auf einem Berg, von dem aus man wirklich eine tolle Sicht auf Addis hat. Nur schade, dass sie jetzt ein Hochhaus direkt davor bauen… Das Restaurant wird von vielen Europäern besucht.
Gegen 21.45 Uhr erreichten wir den compound. Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, ging ich zu Thorsten und Stephi, da noch Licht brannte. Sie sind mittlerweile in ihr neues Haus eingezogen. Die beiden hatten noch Besuch, aber ich wurde trotzdem herein gebeten. Wir unterhielten uns noch bis ca 23.30 Uhr. Ich fragte Stephi, ob sie mich morgen mit zur Deutschen Gemeinde nehmen würden. Es war ein sehr netter Abend. Ich mag die beiden wirklich sehr gerne.
14. September 2008
Um 9.45 Uhr fuhren Stephi, Joel, Jonah und ich zur Deutschen Gemeinde. Der Gottesdienst wurde heute vom evangelischen und katholischen Pastor gemeinsam geleitet, da heute die Firmlinge (Konfirmanden, und Firmlinge) vorgestellt wurden. Die Kreuzkirche ist zwar eine evangelische Kirche, aber es kommen dort Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, etc. zusammen. Die Konfirmation findet nur alle zwei Jahre statt, so dass es dieses Mal mit ca. 12 zukünftigen Konfirmanden eine recht große Gruppe ist. Firmlinge sind es fünf. Die Lieder wurden wieder auf Klavier und Querflöte/ Posaune begleitet. Die Atmosphäre war wieder sehr nett, der Gottesdienst gefällt mir sehr gut.
Nach dem Gottesdienst wurde ich beim Kaffee von Henning Behrends (Mitarbeiter ELM)angesprochen, ob ich nicht im Kirchenchor mitsingen wolle. Ich fand das total nett und erzählte ihm, dass ich ja in Hossaina wohne. Woraufhin wir uns gegenseitig vorstellten und uns eine Weile unterhielten. Mit seiner Frau Ursel und seiner Tochter Hannah hatte ich vor drei Wochen schon gesprochen.
Anschließend fuhren Stephi, die Kids (plus einem Kind aus der Gemeinde) und zwei weiteren Gemeindemitgliedern und ihren beiden Kids in den „Zebra Grill“, um dort etwas zu essen. Es ist ein nettes Restaurant, mit Aquarien, was für die Kids total super war. Als wir dort ankamen, saßen am Nachbartisch noch weitere Gemeindemitglieder mit ihren Kindern. Leider gab es (außer chickenwings) keine Hühnergerichte, so dass ich mich für „fish and chips“ entschied. War total lecker. Auch den anderen hat es gut geschmeckt. Völlig erstaunt waren wir, als die Kellnerin uns von sich aus drei separate Rechnungen brachte. Für so klug hatten wir sie nicht gehalten… so klug war sie auch nicht. Die Rechnungen stimmten nämlich nicht mit unseren Bestellungen überein. Es dauerte etwa eine Stunde (ungelogen), bis wir das vollständig geklärt hatten. Davon abgesehen, dass sie uns eine Portion Pommes und eine Pepsi zu viel berechnen wollten, mussten wir alles einzeln noch einmal aufschreiben. Wir suchten gemeinsam mit der Kellnerin die Preise der einzelnen Bestellungen heraus und mussten die Preise dann selbst zusammenrechnen, da sie des Rechnens – wie sie selbst sagte – nicht mächtig sei… Stephi bekam dann noch statt 31 Birr nur einen Birr Wechselgeld zurück, was wir natürlich monierten. Na ja. Immerhin hatten wir einen schönen Blick über Addis. Die Fotos lade ich natürlich noch hoch. Gegen 16 Uhr waren wir wieder auf dem compund, wo Annas Eltern schon auf uns warteten. Der Vater musste mit dem Auto noch in die Werkstatt, so dass seine Frau und die drei Kids bei Schuerhoffs blieben. Wir tranken Kaffee und Jeremia freute sich, endlich seine Mama wieder zu sehen (Thorsten war mit ihm zu Hause geblieben). Ich blieb gleich die ganze Zeit dort, beschäftigte mich – als der Rest weg war – mit Joel und Jonah und passte dann auf die Kids auf. Stephi und Thorsten hatten die drei noch ins Bett gebracht, bevor sie ausgingen. Allerdings wollte Jeremia nicht so recht schlafen. Er babbelte eine Stunde vor sich hin, bevor er anfing zu schreien. Sobald ich ihn aus dem Bett nahm, war er das liebste Kind der Welt und so fanden Steffi und Thorsten uns dann gemeinsam im Wohnzimmer.
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