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Addis, 14. November bis 23. November 2008

Montag, 24. November 2008 | Autor:

14.11.

In Addis angekommen, sagte ich kurz Stephi „Hallo“ und unterhielt mich dann eine ganze Weile mit Gerlind auf der Veranda. Kurz darauf kam Kurt Jürgen Schmitt und wir aßen gemeinsam Abendbrot. Anschließend begrüßte ich Jürgen und sah dann im Gemeinschaftsraum den Film „Nicht ohne meine Tochter“ und las noch ein bisschen.

15.11.

Heute Morgen klopfte Gerlind gegen 7.30 Uhr an meine Zimmertür. Ich bin dieses Mal im Außenzimmer untergebracht und muss das Bad des Gästehauses von außen aufschließen und beim Nutzen die Verbindungstür zum Gästehaus abschließen. Nun ja, ich hab in der Nacht vergessen, die Tür zum Gästehaus nach Benutzung des Bades wieder aufzuschließen, so dass Gerlind nicht an ihre Sachen kam… . Später unterhielten wir uns noch eine ganze Weile, bevor ich kurz zu Schuerhoffs hinüberging. Mittags kam eine Reisegruppe, die von Gerlinds Mann organisiert wird. Wir aßen alle gemeinsam zu Mittag. Dabei ergaben sich sehr interessante Gespräche, die dazu führten, dass ich mit Franziska (ein Mitglied der Reisegruppe in meinem Alter) nach dem Essen nach Addis hineinfuhr und wir uns später mit der Reisegruppe am ethnologischen Museum treffen wollten. Wir fuhren erst einmal zur St. Georgs Kirche (orthodox), die wir besichtigten, genau wie das Museum, das es dort gibt. Auf dem Weg zum ethnologischen Museum bekamen wir einen Anruf, dass die Reisegruppe nicht zum Museum führe, da der Bus noch nicht gekommen sei. Neuer Treffpunkt sei das Hilton-Hotel, eine halbe Stunde später. Wir entschieden uns spontan, den Löwenzoo zu besichtigen (wie grausam, schlimmer als die Verhältnisse im Zoo Hannover vor der Umgestaltung). Bei dem „Zoo“ handelt es sich um ein Betonrondell mit Zaun, das in etwa 10 kleine Käfige unterteilt ist. Die Tiere lagen im Käfig und rührten sich nicht. Die äthiopischen Besucher ließen sich vor einem der Löwen fotografieren.

Anschließend tranken wir einen Kaffee und fuhren dann zum Hilton. Von dort aus ging es dann mit der Reisegruppe in eine Galerie. Zum Abendessen ging ich mit Volker (Reisegruppe) und Franziska im Motera Hotel (nicht weit vom GHM compound) essen.

16.11.

Heute Morgen fuhr ich mit Stephi und den Kids in die deutsche Gemeinde, zum Gottesdienst. Jürgen hielt eine sehr gute Predigt. Nach dem Gottesdienst krökelte ich mit Jonah und Joel. Anschließend aßen wir (Stephi, die Kids und ich) im „Blue Tops“ Mittag und fuhren danach zum compound. Wir spielten in Schuerhoffs Garten „Siedler“ und tranken Kaffee. Gegen 16 Uhr erreichten Ritters den compound und gegen 17 Uhr feierten wir auf der Terrasse „ihres“ Hauses Tobis 4. Geburtstag. Ich lernte Christel Ahrens kennen, die im Westen für das ELM tätig ist. Abends gab es dann auch mal hier einen Stromausfall, der allerdings nicht lange (max. 1,5 Std) anhielt. Gegen 20 Uhr fuhren Jürgen und ich Essen. Wir entschieden uns für das „Blue Tops“ und aßen einen Chefsalat, tranken Rotwein dazu und beendeten das Essen mit einem leckeren Dessert („blue tops“): Softeis mit Grappa.

17.11.

Heute schlief ich erst einmal aus. Mittags aß ich gemeinsam mit dem Missionsbeirat zu Mittag. Nachmittags klopfte Stephi bei mir, um zu sehen, was ich so machte. Ich war gerade dabei, Texte für meine Seite zu schreiben und Amharisch zu lernen. Als ich später zu ihr herüber ging, war Jeremia mit der Angestellten alleine zu Hause. Ich spielte eine Weile mit ihm. Später kamen Stephi und die Kids nach Hause. Wir bauten den Playmobilzirkus, der zur großen Freude der Kids, den Weg von Deutschland nach Addis gefunden hatte, auf. Auch als die Kids im Bett waren, waren Stephi und ich noch mit dem Zirkus beschäftigt.

18.11.

Heute Morgen fuhr ich mit Ephraim zu Interpol, um meine Fingerabdrücke registrieren zu lassen. Wir mussten uns zum Glück nicht in die lange Warteschlange einreihen, sondern konnten nach einer kurzen Personenkontrolle gleich zu den Schaltern gehen. Dort angekommen, stellte Ephraim allerdings fest, dass er Unterlagen auf dem GHM compound vergessen hatte, also fuhren wir wieder zurück, holten die Unterlagen, ließen uns noch einmal kontrollieren und stellten uns dann am Schalter an. Es wurde uns mitgeteilt, dass wir noch eine Fotokopie meines Passes bräuchten, also verließen wir das Gelände erneut und ließen in einem der nahegelegenen Läden eine Fotokopie machen. Noch einmal Personenkontrolle und Einreihung in die Schalterschlange. Danach ging alles ganz schnell. Von allen zehn Fingern wurden Abdrücke genommen. Danach durfte ich gehen. Ich wusch zuerst meine Hände. Anschließend fuhren wir zum GHM compound zurück. Thorsten und Ephraim wollten zum Headoffice der EEMCY fahren, weil sie dort eine Besprechung hatten. Ich entschied mich, mitzufahren, um das Headoffice einmal kennenzulernen. Dort angekommen besuchte ich Henning Behrends (ELM Mitarbeiter). Wir tranken auf der Terrasse einen Makjato und eine Pepsi, während wir uns unterhielten. Später kam Thorsten dazu, um mich wieder „einzusammeln“. Wir holten die Kids von der Deutschen Botschaftsschule ab. Ich nutze den Nachmittag, um zu lesen. Abends ging ich dann mit zwei Frauen aus Hamburg (Gäste der Hermannsburger Mission) im Motera essen.

Anschließend guckten Gerlind Krause und ich noch einen self-made Film über den Westen Äthiopien saus dem Jahr 1996. Herrmann Kruse, Herrmann Domianus und seine Familie waren ab und zu zusehen. Es war ganz interessant.

19.11.

Heute Morgen fuhr ich mit Ephraim zur Deutschen Botschaft, Janka schloss sich uns an. Ich wollte meinen deutschen Führerschein übersetzen lassen, um einen äthiopischen beantragen zu können. Es verlief alles reibungslos, morgen können die Unterlagen abgeholt werden. Wieder zurück auf dem compound begrüßte ich Nina Dürr (ELM Niedersachsen), die zurzeit mit einer Reisegruppe zu Besuch in Addis ist. Sie fragte, wie es mir ginge und ob ich nicht an Fu-Lans Vortrag (über Beschneidung der Frauen) teilnehmen wolle. Ich klärte das mit Fu-Lan ab, und gesellte mich zur Gruppe. Anschließend fuhren Stephi und ich zur Botschaftsschule, um die Kids abzuholen. Ich klärte ab, ob ich morgen am Unterricht teilnehmen könne. Das sei gar kein Problem, im Gegenteil.

Nach dem Mittagessen hatte ich ein paar Kreislaufprobleme, so dass ich mich hinlegte. Später klopfte Stephi bei mir. Ich ging mit ihr nach Hause und spielte mit Joel und Jan „Fang den Hut“. Gegen 17.30 Uhr aßen Fu-Lan, Stefan, Jan, Tobi und ich bei Schuerhoffs zu Abend. Fu-Lan hatte das Essen zubereitet. Es gab Würstchen, Salate, Brot und Aufschnitt. Als es dunkel wurde, räumten wir alles auf und die Kinder suchten ihre Laternen zusammen. Gegen 19 Uhr trafen wir uns vor Ritters „Haus“ und starteten unseren kleinen Laternenumzug. Joel und Jona hatten elektrische Laternenstäbe, was bei dem Wind von Vorteil war. Jans Teelicht ging leider immer wieder aus. Zum Abschluss des „Laternenfestes“ bekamen die Kids noch ein Eis am Stiel.

Später fuhr ich dann noch mit Gerlind und Stephi zur Deutschen Gemeinde, um am Chor teilzunehmen.

20.11. Deutsche Botschaftsschule Addis Abeba

Heute Morgen fuhr ich mit in die Deutsche Botschaftsschule. Die Lehrerin begrüßte mich freundlich und fragte mich, ob ich mich der Klasse kurz vorstellen wollte. Das tat ich und half anschließend beim Lesen und Hausaufgaben durchsehen. Es läuft unterrichtsmäßig ähnlich wie ich es aus Deutschland kenne. In der ersten Klasse sind 20 Schülerinnen und Schüler, die an Gruppentischen sitzen. Es gibt verschiedene Freiarbeitsmaterialien. Auch „Lesemütter“ sind fester Bestandteil des Deutschunterrichtes. Der Matheunterricht (Minusaufgaben)wurde anhand von Gummibärchen anschaulich durchgeführt. In der Klasse sind nicht ausschließlich deutsche Kinder. Voraussetzung zur Aufnahme an der DBSAA ist, dass die Kinder deutsch sprechen und verstehen können müssen. Der Stand ist nicht bei allen Kids gleich. Einige sprechen und verstehen besser Englisch als Deutsch. Ich begleitete die Klassenlehrerin mit in ihren Englischkurs der 3. Klasse. Der Englischunterricht läuft ganz anders ab, als in Deutschland. Begonnen wird mit einem Gesprächskreis. Heute sollten die Kinder sagen, wer ihr liebster Verwandter ist und warum. Das klappte hervorragend. Zwar fehlten dem Einen oder Anderen ein paar Vokabeln wie z.B. Patentante (godmother), aber ansonsten merkt man schon, dass die Kids im täglichen Leben mit der englischen Sprache konfrontiert sind.

Da die Schule recht klein ist (jeder Jahrgang ist einzügig und die höheren Klassen haben oftmals weniger als 10 Schülerinnen und Schüler), lässt es sich auch hier nicht vermeiden, dass einige Lehrer ihre eigenen Kinder (auch als Klassenlehrer) unterrichten.

Die Schule hat 12 Jahrgänge. „Die Schule arbeitet in der Primarstufe nach schuleigenen Rahmenplänen. Die an der DBSAA gefassten Versetzungsbeschlüsse der Klassenkonferenzen haben in jedem deutschen Bundesland Geltung, d.h. Rückstufungen beim Umschulen nach Deutschland keinen rechtlichen Bestand. In der Sekundarstufe I werden die Klassen 5 und 6 als „Orien­tierungsstufe” geführt; Haupt-, Real- und Gymnasialschüler werden nach endgültiger Einstufung am Ende der Klasse 6 gemeinsam, aber binnendifferenziert unterrichtet und differenziert versetzt. Die Schule arbeitet in der Sekundarstufe I nach den Lehrplänen des Landes Thüringen. Die Schule ist berechtigt, nach einem Abschlussverfahren das Hauptschulabschlusszeugnis am Ende der Klasse 9, das Realschulabschlusszeugnis und das Schlusszeugnis für Gymnasialschüler am Ende der Klasse 10 zu erteilen. Das Schlusszeugnis für Gymnasialschüler berechtigt zum Eintritt in die IB-Oberstufe der Deutschen Botschaftsschule Addis Abeba und in die Oberstufe jedes deutschen Gymnasiums.

Die Oberstufe richtet sich nach dem Internationalen Baccalaureate (IB). Das International Baccalaureate Diploma (Internationales Abitur) ist ein international anerkannter, mit dem deutschen Abitur vergleichbarer Bildungsabschluss, der von der in Genf ansässigen International Baccalaureate Organization vergeben wird.“ (Quelle: http://www.ds-addis.de)

Das Schulgelände ist nett gestaltet. Die Klassenräume sind in einem Wohnhaus angesiedelt. Es gibt eine Turnhalle (nach deutschem Standard) und einen Fußballplatz. Außerdem gibt es drei Tischtennisplatten, ein Basketballfeld, viele Sitzgelegenheiten und eine Cafeteria. Die Schüler können ihre Zeit auch in der gut ausgestatteten Schulbibliothek (mit Internet) verbringen.

Nach dem Besuch in der DBSAA fuhr ich mit dem Minibus-Taxi in die Stadt, weil ich dort mit Franziska und Volker (Reisegruppe) verabredet war. Leider verpassten wir uns – wie sich später herausstellte – knapp. Ich fuhr zur St. Georg Kirche, setze mich dort in das Terrassen-Café und bestellte mir Pommes und dazu einen Papaya-Avocado-Saft. Anschließend fuhr ich zum compound, unterhielt mich mit Nina Dürr und anschließend schob ich mit Hanna Jeremia in der Karre durch die Gegend, während wir uns unterhielten. Abends aß ich mit Nina und ihrer Gruppe Abendbrot und verabschiedete mich währenddessen von Franziska und Volker, die heute wieder nach Hause flogen.

Später sah ich dann einen Film über die Hermannsburger Mission. Christel gesellte sich zu mir.

21.11.

Heute Vormittag fuhren Ephraim und ich von Pontius zu Pilatus, um meinen Führerschein umschreiben zu lassen. Er hatte gestern meine Unterlagen von der Deutschen Botschaft abgeholt.

Leider waren wir heute nicht erfolgreich, da die Behörde, die für die Umschreibung zuständig ist, ein meeting hielt. Zurück auf dem compound, bat mich Stephi, ein Geschenk für sie im Sheraton zu besorgen. Sie setzte mich dort ab, ich besorgte das Geschenk und fuhr mit dem Minibus zurück zum compound. Dort spielte ich mit Jeri, bis er ins Bett musste. Gerade als ich los wollte, um zu Behrends zu fahren, kam mir Stephi entgegen. Joel war in der Schule vom Geländer gefallen und musste am Kopf genäht werden.

Bei Behrends angekommen, gingen Hanna und ich zur Post, um festzustellen, dass sie bereits geschlossen hatte. Ich half Hanna dabei, dich für die Französischprüfung (DELF) vorzubereiten. Anschließend aßen wir Pizza, quatschten und guckten einen Film. Ursel hatte mir zwar angeboten, dass ich dort übernachten könne, da ich morgen früh nicht auf Jeremia aufpassen müsse, aber da ich meine Sachen nicht mit hatte, entschied ich mich dann doch, mit dem Taxi zurück zum compound zu fahren.

22.11.

Heute Vormittag spielte ich mit Jonah und Joel und las ihnen Geschichten vor. Irgendwann gesellte sich Jeremiah zu uns. Stephi lud mich zum Mittagessen ein und während sie Jonah und Joel zu einem Freund brachte, hütete ich den kränkelnden Jeremia. Stephi fuhr abends noch mit ihm in die Schwedische Klinik, um sicher zu stellen, dass er keine Lungenentzündung hat.

Später wollten Stephi und ich dann eigentlich einen Film gucken, allerdings unterhielten wir uns dann stattdessen.

23.11.

Heute Morgen klingelte um 4.00 Uhr der Wecker. Reta (äthiopischer Angestellter der GHM)hatte mir das Taxi für 4.30 Uhr bestellt. Er begleitete mich zum Busbahnhof und kaufte mir mein Ticket für den public transport nach Hossana. Wir warteten in der Kälte (abends gehen die Temperaturen auf 5°C hinunter). Um kurz vor 7 Uhr kam der Bus und gegen 7.30 Uhr fuhren wir endlich los. Ich verabschiedete mich von Reta und schlief fast die ganze Fahrt. Ich wachte nur zwischendurch auf, weil der Bus mit Schmackes durch Schlaglöcher fuhr, so dass wir in die Luft geschleudert wurden. Zum Glück funktionierten die Federn… . In Hossana holte mich mein Nachbar Franz mit dem Auto ab, so dass ich mein Gepäck nicht tragen musste. Total nett. Zu Hause legte ich mich erst einmal hin. Dann ging ich zu Ritters um ein paar meiner Sachen abzuholen, die sie Freitag schon mitgenommen hatten. Abends rief ich dann meine E-Mails ab und schaute dann noch einen Film.

Ich glaube, ich werde krank.

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