Das Meskel – Fest: 27.09.2008
27. September 2008 – Meskel-Fest
Das Meskel-Fest wird in besonderem Maße in der Familie gefeiert. Beim Meskel finden Familienmitglieder wieder zusammen, dies trifft vor allem für die ländlichen Gegenden zu. Viele derjenigen, die das Jahr über in der Metropole arbeiten, schließen für Meskel ihre Geschäfte und kehren zurück zu ihren Familien. Um sich am Festtag etwas Besseres leisten zu können, sparen die meisten Menschen lange. Um den Tag gebührend zu feiern, kommt es auch nicht selten vor, dass sich Menschen verschulden. Für die meisten Äthiopier gehört das Schlachten eines Rindes zum Fest. Diejenigen, die sich das nicht leisten können, schlachten zumindest ein Schaf oder eine Ziege. Nur die ganz armen Leute begnügen sich mit einem Huhn. Äthiopier mögen Fleisch, so darf es an so einem Festtag nicht fehlen. Es wird noch die ganze Woche gegessen werden, so dass die Woche nach dem Meskel-Fest die Woche ist, in der viele Menschen ins Krankenhaus müssen. Sie essen so viel, bis sie krank werden. Ich gehe davon aus, dass hierbei der Verzehr rohen Fleisches in solchen Mengen keine unwesentliche Rolle spielt…, aber das ist eine reine Vermutung. Alkohol (Schnaps) ist ein gebräuchliches Gegenmittel. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang heute die Aussage, dass protestantische Äthiopier keinen Alkohol (Alkohol = Sünde) trinken. Irgendjemand meinte daraufhin, dass es dann wohl hauptsächlich Protestanten seien, die in diesen Tagen ins Krankenhaus müssten… J.
Eigentlich wollte ich ja heute Vormittag mit Klaus zu einer Meskel-Zeremonie gefahren sein. Allerdings habe ich leider nichts von ihm gehört. Schade, dann hätte ich Wogayo und/ oder Emnet nicht absagen müssen. Naja.
Um 16 Uhr war ich bei Jürgen eingeladen. Er hatte ja mit fünf anderen zusammen einen Ochsen gekauft, bzw. kaufen lassen. Die Zeremonie des Schlachtens begann mittags, aber ich bin auch nicht böse drum, das nicht live mitbekommen zu haben. Jürgen hat es wohl gefilmt, das werde ich mir dann nachträglich gern ansehen. Als ich zu ihm kam, wurde das Fleisch gerade gerecht aufgeteilt. Ich bekam „Atakana“ (eine erfrischende Pasta u.a. mit Zutaten aus der Wurzel der Enset, der sog. Falschen Banane gewonnen) mit „data“ (eine scharfe Pasta) und einen Kaffee serviert. Die Frauen kümmerten sich um die Essenszubereitung, die Männer beobachteten den Schlachter auf der Veranda, damit auch alles gerecht zuginge. Die Veranda war mit den Blättern der „Falschen Banane“ ausgelegt, damit das Blut dort drauf tropfen konnte. Jürgen und Solomon zeigten mir die Einzelteile des Rindes (Lunge, Magen, Galle, Leber, Nacken, Buckel, etc.) und ich gesellte mich dann zu den Männern, um ebenfalls dem Schlachter zuzusehen. War sehr interessant. Er erzählte, dass es sein drittes Rind sei, das er heute schlachtete. Während des Zerlegens wurden durch das Wedeln mit einem Ast mit Blättern die Fliegen verscheucht. Zwischendurch warf ich den Frauen einen Blick über die Schulter. Nachdem das Fleisch aufgeteilt war, wurde gelost, wer welchen der sechs Haufen bekommen sollte. Früher sei es oft vorgekommen, dass die Menschen darüber in Streit gerieten. Als die Verlosung zu Ende war, verpackte jeder seinen Anteil in luftdurchlässigen Körben. Jürgen brachte seine Schale in die Küche. Es war mittlerweile 18.30 Uhr als alle ihren Anteil verpackt hatten. Die Frauen hatten mittlerweile (rohes und gekochtes) „Kitfo “, „Grünkohl“, „Aib –Quark– mit Kohl“, „Atakana“ und „tibbs“ sowie Injera, äthiopisches Brot und „Kotcho“ (hergestellt aus der „Falschen Banane“) zubereitet und als Buffet auf dem Esstisch angerichtet. Wir machten draußen ein Gruppenfoto und anschließend gingen wir ins Haus. Jürgen sprach ein Gebet und dann wurde gegessen. Ich nahm von allem ein bisschen, aber an das rohe Fleisch traute ich mich dann doch nicht heran. Da im Wohnzimmer kein Platz mehr am Tisch frei war, bevorzugte ich es, mit den Frauen in der Küche (am Tisch) zu essen. So professionell klappt das Injera-Essen dann doch noch nicht… . Nach dem Essen fuhr Jürgen alle Gäste nach Hause. Ich begleitete ihn. Die Straßen waren so ausgestorben wie während eines heftigen Regens. Alles war ruhig und friedlich. Wir fuhren „Straßen“ entlang, deren Schlaglöcher fast die gesamte Breite der Straße einnahmen, fuhren Straßen entlang, die plötzlich mit Steinen abgegrenzt/ abgesperrt waren, weil die Straße dort hinter zu matschig war, so dass wir umkehren mussten. Es war ja schon dunkel, von daher war alles etwas schwer zu erkennen. Am krassesten war es, als wir den Schlachter nach Hause fuhren. Wir fuhren wieder einen der „Ackerwege“ entlang, der dann auf Grasland führte. Es ging mal wieder einen kleinen Hügel hinunter und auf der anderen Seite mussten wir wieder hinauf. Zum Glück merkte der Schlachter rechtzeitig an, dass vor uns ein Wassergraben sei, wir müssten rechts zwischen den Bäumen durch fahren und die Brücke nutzen. „Brücke“ ist gut… Das Ding war zwar immerhin aus Holzstämmen, aber so eng (ohne seitliche Absperrung), dass Jürgens Auto gerade so eben von der Breite darauf passte… . Wir konnten – bei den Wegen, die wir fuhren – froh sein, dass es heute nicht geregnet hatte. Um 21 Uhr waren wir wieder zu Hause.
Es war mal wieder ein ereignisreicher und sehr schöner Tag. Ich bin Jürgen sehr dankbar dafür, dass er mich zu diesem Fest eingeladen hat.
Morgen bin ich zum Mittagessen bei Emnets Familie eingeladen.