Das Meskel – Fest: 28.09.2008
28. September 2008 – Meskel-Fest
Heute kam die Freundin von Emnet nach der Kirche kurz vorbei und wollte mich für heute Nachmittag zu sich nach Hause einladen. Ich sagte ihr ab, da ich nicht wusste, wie lange ich bei Emnet sein würde.
Um kurz vor 13 Uhr machte ich mich dann auf den Weg zu Emnets Haus. Ich hatte damit gerechnet, ein Dreirad-Taxi nehmen zu können. Fahren sie sonst sekündlich, so wartete ich heute vergebens darauf, dass mich eines überholte. Jürgen kam – selbst auf dem Wege zu einer Einladung – mit seinem Auto vorbei und nahm mich netterweise ein Stück mit. Bei Emnet angekommen, erzählte sie mir, dass wir alle zu ihrer Tante zum Essen eingeladen seien. Ich wartete im Wohnzimmer, während sich die Familie noch schick machte. Die Kids und der Vater zogen Anzüge an, die Mutter trug ein Kostüm und Emnet ihren weißen amharischen, traditionellen Rock sowie eine Bluse. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg und hatten Glück. Ein Dreirad-Taxi hielt, so dass Emnet, ihre Schwester, ihre Mutter und ich dort mitfuhren. Der Vater nahm mit den Jungs das nächste haltende Gefährt. Bei der Tante angekommen wurde ich sehr freundlich auf Englisch begrüßt und Emnets Mutter stellte mir die Familie vor. Wenn ich es richtig verstanden habe, war auch die zweite Schwester der Mutter mit ihrer Familie dort. Das Haus war – wie Emnets Haus am Freitag auch schon – mit Gras „geschmückt“ (das Gras wird auf dem Fußboden verstreut). Das ist ein Brauch für Feierlichkeiten. Ich wurde gefragt, ob ich rohes Fleisch mögen würde. Ich sgate, ich würde gekochtes Fleisch bevorzugen. Kurz darauf wurde uns das Wasser und eine Schüssel zum Waschen der Hände gereicht (ist hier so üblich). Danach wurden drei Teller mit „kitfo“ (zwei Mal roh und einmal gekocht) serviert. Dazu gab es „kotcho“ und Injera. Zum Trinken wurde der „äthiopische Softdrink“ „Kenito“ serviert. Es war dasselbe Getränk, dass ich neulich schon bei Semenesh getrunken hatte, allerdings wurde es heute mit Cola oder Sprite gemischt und schmeckte gleich ganz anders (dennoch ist es gewöhnungsbedürftig). Nachdem wir gegessen hatten, wurde traditionell Kaffee zubereitet. Die Kaffeebohnen wurden geröstet, etc. (Ich werde die Kaffeezeremonie noch einmal als gesonderten Text verfassen.). Ich wurde gefragt, ob ich Kaffee mit Salz mögen würde. Ich sagte, ich hätte es noch nie probiert, würde es aber gerne einmal versuchen wollen. Da es arg gewöhnungsbedürftig war, trank ich noch eine zweite Tasse. Ich muss zugeben: Ich bevorzuge dann doch Kaffee mit Zucker. Emnet erklärte mir, dass in den Städten meist Kaffee mit Zucker getrunken würde, in den ländlicheren Gegenden Kaffee mit Salz, da Salz billiger sei. Nach dem Kaffee gab es dann noch „Atakana“. Gegen 17 Uhr verabschiedeten wir uns. Die Tante, die heute nicht die Gastgeberin war, lud mich für morgen zum Mittagessen ein. Die Einladung sagte ich ab, da ich morgen ein Treffen mit Ritters und Jürgen habe. Trotzdem sehr nett. Wir gingen zu Fuß nach Hause und um 17.45 Uhr erreichte ich mein Haus.
Es war wieder ein sehr netter, interessanter und ereignisreicher Tag.