Das Timket-Fest in Addis Abeba
Timket (Amharisch: Taufe) ist eines der höchsten orthodoxen Feiertage Äthiopiens. Das Epiphanias-Fest findet am 19. Januar (in Schaltjahren am 20. Januar) statt. An diesem Tag wird die Taufe Jesu im Jordan gefeiert.
Am frühen Vorabend des Festes, Katara genannt, bewegen sich die Priester von überallher zu einer auserwählten Wasserstelle der Stadt. Sie tragen die von Brokaten bedeckten heiligen Tabots auf dem Kopf. Die Tabots sind mit Brokaten bedeckt und somit gut verhüllt vor den Augen der Gläubigen. Die zwei Tage des Timket-Festes, sind die einzigen Tage, an denen die Tabots aus dem Allerheiligsten einer jeden Kirche genommen werden. Die Priester sind die einzigen Personen, denen es gestattet ist, die Tabots anzufassen und anzuschauen.
In der Stadt versammeln sich die Priester aus der Umgebung und von den zahlreichen Kirchen der Stadt. Die Priester werden von einer Menschentraube begleitet, die immer größer wird. Straßen sind gesperrt, Autos werden umgeleitet. Die Prozession mit den Tabots, den großen silbernen Vortagskreuzen und kostbaren Sonnenschirmen aus Samt und Brokat, bewegt sich durch die Straßen der Stadt bis zu dem Jan-Meda-Feld, der als Festplatz hergerichtet wird. Es werden Zelte errichtet, in denen die Tabots, bedeckt von Brokaten, in der Nacht aufbewahrt werden. Die Priester beten die ganze Nacht über, bis zum Morgen des eigentlichen Timket-Festes. Etwa um zwei Uhr morgens wird die Eucharistie gefeiert. Bevor die Sonne aufgeht, versammelt sich das Volk auf dem Jan-Meda-Feld. Alles erinnert an ein riesiges Volksfest: Es werden Lose verkauft, die Jugend veranstaltet verschiedene Glücksspiele. Verschiedene Esswaren werden in Einkaufswagen oder auf dem Boden zum Verkauf angeboten. Es wird gesungen, getanzt und getrommelt. Farbenprächtige Brokatschirme werden ebenso verkauft wie biblische Bilder. Mit Megafonen wird versucht, die Aufmerksamkeit der Besucher zu erhaschen. Vereinzelt sind Menschen zu sehen, die vertieft in ihre Bibel sind und das Umfeld gar nichtwahrzunehmen scheinen.
Priester, Depteras und Diakone finden sich ein, in ihrer Mitte der Bischof, über den einer der Diakone einen bunten Schirm hält. Tausende von Menschen stehen oder sitzen mit dem Blick auf die Priester gerichtet auf dem Jan-Meda-Feld. Soldaten schirmen die Massen während des Gebetes ab. Die Menschen sprechen und bewegen sich nicht. Es herrscht eine Stille, die nur ab und zu von den Megafonen der etwas entfernteren Verkäufer unterbrochen wird. Sicherheitsbeamte beobachten das Geschehen von dem Dach eines Hauses. Sobald die Sonne aufgeht, segnet der Bischof das Wasser. Während des Festes symbolisiert es den heiligen Jordan. Mit einem Sprenger wird die Menschenmenge mit Wasser besprüht.
Anschließend ordnen sich die Depteras zu langen Reihen und zelebrieren ihre feierlichen Kirchentänze. Sie bewegen mit feierlichem Schwung die Makwamiya (den Gebetsstab). Mit dem feinen, silberhellen Ton des Sistrums wird der Rhythmus angegeben und von Zeit zu Zeit ertönen die tiefen, feierlichen Töne der Kebera.
Wir waren vom Timketfest mit seinem grandiosen Schauspiel und seiner einzigartigen Atmosphäre überwältigt.