Die “Deaf School”
Hosanna Deaf School, Ethiopia
Hintergrundinformationen
Ziel der Schule:
Schaffen von Bildungsmöglichkeiten für die Gehörlosen und das Bewusstmachen über die Taubheit, ihre Rehabilitation und Vorbeugung in der Gesellschaft
Die Hossana Deaf School ist das erste Internat für Gehörlose im Land und die erste Schule mit Abschluss auf high school Ebene. Die Schule bietet neben der akademischen Ausbildung auch Berufsausbildungen für die Gehörlosen. So finden Computerkurse, Kurse im Holzarbeiten, Metallarbeiten (Schweißen, etc.), Nähen, Sticken, Schneidern, Frisieren und Kochen statt. Diese Aufgaben werden den Gehörlosen angeboten, damit sie, falls sie im akademischen Bereich nicht so erfolgreich sind, die Möglichkeit haben, ihre Stärken auf anderen Gebieten zum Ausdruck zu bringen.
Die Schülerinnen und Schüler werden außerdem auf die Gefahren von HIV/ AIDS hingewiesen. Sowohl Schüler als auch Lehrer sind auf HIV/AIDS getestet worden, alle sind negativ.
Das wichtigste Ziel ist der erfolgreiche Schulabschluss. Daneben ist die Schule zur Vorläufereinrichtung des Landes geworden. Fast alle Schulen für Gehörlose bekommen Hilfe zur Weiterbildung und Kompetenzentwicklung sowie bei der Personal- und Organisationsentwicklung. Außerdem erhalten sie Bücher der Gebärdensprache, Anschauungs- und Hilfsmaterialien der Lehrmittel und den Hinweis, von der deaf school in Hossana zu lernen. Der frühzeitige Ansatz der Schule, die Thematik bewusst zu machen, führte an anderen Schulen zu der Aufforderung, gehörlose Lehrer einzustellen. Die Schulabgänger der Hosanna Deaf School hatten die Chance,
pädagogische Institute zu besuchen. Einige von ihnen unterrichten bereits an einigen staatlichen Schulen. Die Nachfrage ist immer noch sehr hoch. Die neue Herausforderung für die Schule ist es, zu erwägen, eine Lehrerausbildung auf Hochschulniveau zu eröffnen. Nach Mitteln zur Finanzierung dieses Langzeit-Projektes wird bereits gesucht.
(Quelle: http://www.eecmy.org/DASSCfinalReport2007part3.pdf)
Meine Beschreibung der deaf school
Ihr müsst euch die Schule als Internat vorstellen. Die Jungen und Mädchen im Alter ab der ersten bis zur 10. Klasse werden von ihren Eltern ins Internat gebracht und meist erst nach 10 Monaten für die Ferien nach Hause geholt. Insgesamt wird die Schule von 168 Schülerinnen und Schülern besucht, davon 98 Jungen und der Rest Mädchen. Es gibt Mädchen- und Jungenschlafräume – die jeweils mit drei Doppelstockbetten ausgestattet sind – sowie einen Fernsehraum. Die Jungen haben sich –aufgrund eines Trauerfalles – ihre eigene kleine „Kirche“ mit Kirchenbänken und Altar gebaut. Während unserer Führung betete ein kleiner Junge für uns und sang (dies alles natürlich in Gebärdensprache, aber das Singen war deutlich am Wippen seines Fußes zu sehen). Es war sehr beeindruckend.
Heidi wies darauf hin, dass viele der neu gekommenen Kinder, bis vor ein paar Wochen nicht einmal ihren eigenen Namen kannten und sich nur durch Schlagen auszudrücken vermochten. Viele der Kinder erleben in ihrem Elternhaus Gewalt. Sie sind Kinder mit Behinderung, was sie an den Rand der äthiopischen Gesellschaft führt. Der Glaube lässt die Menschen vermuten, dass die Eltern etwas Schlimmes getan haben müssten, wenn sie ein Kind mit Behinderung zur Welt bringen. Die Eltern sind nun also praktisch gezwungen, sich zwischen der Gesellschaft und ihrem Kind zu „entscheiden“. Zeigen sie offen, dass sie ihr Kind so lieben wie es ist, riskieren sie, selbst von der Gesellschaft verstoßen zu werden. Zeigen sie die Liebe zu ihrem Kind nicht, merkt die Gesellschaft, dass sie vielleicht doch nichts Böses getan haben und es keinen Grund gibt, die Eltern zurückzuweisen.
Heidi zeigte uns die Klassenräume. Es gibt Nähkurse (u.a. mit einer ganz alten Singer-Nähmaschine), Frisierkurse, bei denen auch ausländische Haarschnitte gelehrt werden (mit richtigen Möbeln aus Frisiergeschäften). Mir wurde auch der Computerraum gezeigt. Wenn die Geräte funktionieren, werden meine Erwartungen übertroffen
. Wir wurden einer 10. Klasse vorgestellt, die völlig diszipliniert im Klassenzimmer saß und arbeitete…, obwohl der Lehrer heute nicht zur Arbeit erschienen war. Wo würde man das in einem 10. Jahrgang in Europa vorfinden?
Heidi zeigte uns noch die Küche des Internates. Dort werden u.a. täglich 400 Injera frisch hergestellt. Auch die Werkstatt wurde uns gezeigt. Viele der Schulstühle werden vor Ort von den lernenden Schülerinnen und Schülern gefertigt.