2. Reisebericht
Sonntag, 7.12.2008 Hossana-Jimma-Bedele-Gimbi
6.00 Uhr: Jürgen und ich beluden das Auto und tranken noch einen Kaffee. Danach starteten
wir die fünftägige Reise in den Westen.
Im Gegensatz zum 23. Oktober (siehe Erster Reisebericht) lag Hossana heute nicht im Nebel. Wie damals machten wir uns auf den Weg nach Jimma und verließen noch in Hossana die Asphaltstraße. Die nächsten ca. 120 km mussten wir – wie bereits berichtet – mit einer zwar befestigten, jedoch nicht asphaltierten Straße vorlieb nehmen. Auch dieses Mal passierten wir die Gurage-Siedlungen. Heute machten wir allerdings einen Abstecher in die Zonen-Hauptstadt der Gurage-Zone, Welkite (etwa 125 km von Hossana entfernt), wo wir eine Frühstückspause einlegten. Wir aßen Ei mit Brot und tranken anschließend einen Makjato.
- Die Beschreibung des Weges nach Jimma kann dem ersten Bericht entnommen werden. -
Auch heute legten wir in Jimma eine Pause ein und aßen zu Mittag, bevor wir die Fahrt nach Bedele fortsetzten. Die Wegbeschreibung nach Bedele kann ebenfalls dem ersten Bericht entnommen werden. Die gesamte Fahrt über waren unsere Gedanken bei unserer ersten Tour und somit auch bei Hermann Domianus und seiner Familie. In Bedele fuhren wir am Kreisel geradeaus weiter und passierten schließlich die Bedele Brauerei. Auf der linken Seite entdeckten wir eine Mekane Jesus Kirche und stellten fest, dass wir weder die Brauerei noch die Kirche beim letzten Mal wahrgenommen hatten. Kurze Zeit später lief uns eine Affenfamilie über den Weg. Jürgen hielt an, damit ich Fotos machen konnte. Wir kamen durch einen dichten, alten Wald, der sehr stark nach Gewürzen roch. Irgendwann meinte ich dann die Stelle wiedergefunden zu haben, wo wir die Meskel-Blumen gepflückt hatten (meine erwartete Stelle hatte ich dann wohl verpasst)… und dann erreichten wir METU. Wir wussten sofort, dass wir in Bedele am Kreisel hätten nach rechts abbiegen müssen… Wir fuhren also zurück und dieses Mal bogen wir in Bedele am Kreisel ab. Sogleich kam uns die Landschaft bekannt vor. Kurz darauf erreichten wir die Stelle, auf die ich zuvor so sehnlich gewartet hatte. Ich genoss den Blick auf die frei stehenden Akazien, mit dem schönen Blick über das Tal, als es plötzlich einen „pock” gab… . Der linke Hinterreifen war platt. Zwischen den schönen Schirmakazien, bei dem Zirpen der Grillen und Heuschrecken wechselten wir den Autoreifen. Ich fand es irgendwie romantisch…, ich glaube Jürgen konnte es nicht so richtig genießen. Er tat mir auch echt leid. Nach 15 minütiger Pause konnten wir die Fahrt fortsetzen. Kurze Zeit später erreichten wir die Wegkreuzung nach Gimbi-Nekempte. Wir fuhren nach Nekempte und hofften, noch ein Hotel zu finden. Zwei Nachtwächter waren uns behilflich. Das Hotel befand sich zwar noch im Bau und der Parkplatz war begrenzt, aber das störte uns nicht. Wir akzeptierten sogar die 150 birr, die die Übernachtung p.P. kostete. Immerhin waren wir froh, irgendwo (wenn auch nicht wie geplant in Gimbi) angekommen zu sein J.
8.12.2008 Nekempte-Gimbi-Nejo-Aira
Nach einigen Stunden Schlaf (abzügl. einer halben Stunde Mückenjagd) wurde ich von lauten Stimmen auf dem Gang geweckt. Ich hätte zwar noch 30 min schlafen können, aber das war letztendlich auch egal. Ich duschte, packte meine Sachen und machte noch ein Foto vom Balkon hinunter auf den Parkplatz des Hotels. Wir ließen Jürgens Auto noch mit Wasser abspülen und machten uns dann um 7.05 Uhr auf den Weg nach Gimbi. Nekempte lag im Nebel. Die Landschaft ist unbeschreiblich schön: Sehr grün. Es ist die fruchtbarste Gegend Äthiopiens. Wir kamen an großen Mango-Plantagen vorbei.
Vor Gimbi sahen wir viele Häuser mit Grasdächern (keine Rundhäuser). Wobei auch hier immer öfter zu Wellblechdächern gewechselt wird, weil sie einfach länger halten.
Wir erreichten Gimbi gegen 9 Uhr und frühstückten erst einmal. Dieses Mal gab es Omlette und Brot. Anschließend fuhren wir zum Synodencompound. Jürgen zeigte mir das Haus unseres Mitarbeiters Thomas Haase, der z.Zt. in Deutschland ist. Danach trafen wir uns mit dem Präsidenten der Synode. Vom Fenster seines Büros aus entdeckte ich im Baum ein paar Affen.
Der Verantwortliche für das Jugendzentrum, das gebaut werden soll, stieß zu uns. Die Jugendlichen sollen beim Bau beteiligt werden. Damit die Stadt nicht um das Stück Land kämpft und sieht, dass dort etwas passiert, wurde ein Zaun um die 10 m2 Fläche errichtet sowie Pflanzen gepflanzt. Außerdem wurden viele Steine mit Eseln auf das Grundstück gebracht. Als wir von der Besichtigung des Grundstückes zurückkamen, wurden uns Bauskizzen vorgelegt. Das sieht alles sehr gut durchdacht und geplant aus.
Nach den Gesprächen fuhren wir nach Gimbi rein, um den Reifen reparieren zu lassen. Dabei bemerkte ein Junge, dass der linke hintere Reifen (also der Reservereifen) ebenfalls platt war… Wie gut, dass er immerhin noch bis heute gehalten hat…
Nach der Reparatur der beiden Reifen aßen wir zu Mittag und machten uns dann auf den Weg nach Aira. Zwischendurch machten wir einen kleinen Stop in Nejo, wo Schuerhoffs bis vor kurzem wohnten. Die Schwedische Mission hat dort eine Klinik. Die ca. 10 Mitarbeiter kümmern sich um zwei Patienten. Das Problem: Die Regierung hat ein Krankenhaus gebaut und es gibt eine Privatklinik.
Eine Schwester zeigte uns Schuerhoffs ehemaliges Grundstück. Danach fuhren wir nach Aira. Die Landschaft ist unglaublich schön und farbenfroh. An den Wegrändern waren immer noch die gelben Meskel-Blumen, außerdem rote Weihnachtssternbäume, Büsche mit gelb-orange-roten Blüten, Bäume mit hell und dunkel lilafarbenen Blüten zu sehen. Der Blick vom Berg ins Tal ist eindrucksvoll und malerisch. Die Sonne verlieh dem Ganzen noch mehr Ausdruck. Affen liefen vor uns über die Straße. Gegen 17.30 Uhr deutete Jürgen nach rechts ins Tal: Aira.
Die Straße in Aira ist katastrophal. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt erreichten wir den Synodenompound, auf dem das Aira-Hospital steht.
Wir bezogen erst einmal unsere Zimmer im Gästehaus, bevor wir nachsahen, ob unsere Mitarbeiterin Christel Ahrens zu Hause sei. War sie nicht und so zeigte mir Jürgen erst einmal die Werkstatt sowie das Haus unseres schwedischen Mitarbeiters Dr. Erik Erichsen, der derzeit allerdings in Addis ist aber morgen Aira erreichen sollte. Wir erkundigten uns bei einer Norwegerin wie man zur Wasserquelle des Aira-Hospitals käme. Sie konnte es uns nicht sagen und verwies uns an Werner Lins. Wir hatten Glück und trafen ihn an. Wir unterhielten uns eine Weile. Während ich in der Küche des Gästehauses saß, kam Christel und lud uns zum Abendbrot ein.
9.12.2008 Aira
Aira hat etwa 5.000 Einwohner.
Um 8 Uhr frühstückten Jürgen und ich bei Christel. Ich duschte anschließend im Gästehaus und gegen 10.30 Uhr fuhr ich mit Christel zum Landkreis. Christel musste etwas klären, da sie anscheinend zu wenig Jodsalz geliefert bekommen hatten. Wir saßen mit drei weiteren Personen im Raum. Da es sich um eine etwas „delikate” Angelegenheit handelte, verließ Christel mit dem Zuständigen den Raum. Die andren beiden Männer sprachen mich nach einer Weile auf Oromiffa an und stellten dann auf Englisch fest: „Ach, die sind UNSERETWEGEN gegangen…”.
Zurück auf dem compound zeigte mir Christel ihr Büro und die Jodsalzsäcke.
Viele Menschen in der Gegend haben einen Kropf. Jodmangel führt zu geringerer Gehirntätigkeit, führt zu Kleinwüchsigkeit und der Kropf sieht nicht schön aus. Letzteres trägt zu Veränderungswünschen der Betroffenen bei. Natürlich kann ein Kropf operativ behandelt werden, aber damit ist lediglich das Aussehen wieder hergestellt, nicht jedoch die Intelligenz…
„Prävention statt Kurration” war das Schlagwort meiner Dozentin. Hier lautet das Motto: „1 Gramm Prävention ist besser als 1 Kilogramm Heilung.”
Christel machte mit mir einen kleinen Rundgang durchs Hospital. Der Warteraum der Aufnahme ist wie ein Kreuz angelegt. Für die vier Versorgungsbereiche eine Wartezone. Ich finde es schon etwas diskriminierend, denn HIV/Aids hat einen eigenen Wartebereich… .
Im Hospital finden viele ambulante Behandlungen statt. Die Patienten werden dann nicht stationär aufgenommen, sondern kommen ggf. in einem Hotel unter.
Es gibt separate Krankenzimmer (Häuser) für Männer, Frauen und Kinder. Eine Unterteilung für die verschiedenen Religionsgruppen gibt es nicht, so dass hier eine Begegnung der besonderen Art stattfindet.
Das Hospital verfügt über zwei Operationssäle, wobei das Narkosegerät etwas leckt. Die häufigste Operation ist der Kaiserschnitt. Wenn eine Mutter ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringt, wird sie für ca. eine Woche stationär aufgenommen. Ansonsten wird sie direkt nach der Geburt entlassen.
Für Augenoperationen (Trachoma, refactory error, conjunctivitis) kommen die Patienten von weit her.
Insgesamt hat das Hospital eine Kapazität von 80 Betten.
Zwei Mal im Jahr werden registrierte Kinder, die an Polio erkrankt sind untersucht und in Kooperation mit einem mobilen Team mit Schuhen und Unterarmgehhilfen versorgt. Schwere Fälle werden an die orthopädische Versorgung weitergeleitet.
Zu Mittag gab es Wot bei Christel. Werner Lins und Jürgen kamen ebenfalls.
Um 15 Uhr ging ich mit Christel zur Nursing School. Die Norwegerin führte mich herum. Der Übungsraum ist mit Skeletten, einem Krankenbett inkl. Patienten-Puppe, Organen (Augen, Mund, Leber, Niere, etc.) ausgestattet. Es gibt Schulräume, mit Tischen, Stühlen und einer Tafel, eine Bibliothek die von den Schülern selbst verwaltet wird (Bücher sind eingeschlossen und werden je nach Bedarf heraus gegeben, dürfen aber nur in der Bibliothek gelesen und abgeschrieben werden).
Es gibt separate Jungen- und Mädchenunterkünfte sowie eine schuleigene Küche.
Nach meinem Besuch der Nursing School bereiteten Christel und ich ihr Projekt (Wochenende) vor. Ich half ihr, die Schrift von Plakaten wegzuschneiden (Arbeitsmaterial für geschulte Äthiopier zum Thema Krankheitsprävention -> Plakate sollen zu Gesprächen anregen). Die Schriftzeichen sind meist amharisch. Viele Dorfbewohner können nicht lesen, so dass sie sich durch Schriftzeichen nicht angesprochen fühlen „es sei nicht für sie gemacht”.
Während der Vorbereitung unterhielten wir uns sehr viel. Abends aßen wir bei Christel und durften dann noch ihr Internet nutzen.
10.12.2008 Aira
8 Uhr Frühstück bei Christel. Anschließend fuhr ich mit Jürgen erst zur Synode und kurz darauf zur LASS Secondary School. Jürgen hatte dort etwas zu klären und anschließend wurde uns die Schule gezeigt und ein Tee im Lehrerzimmer (inkl. Fernseher) angeboten. Zum Teil besuchen 80 Schülerinnen und Schüler eine Klasse. Die LASS wurde mit Hilfe der Hermannsburger Mission aufgebaut und seitdem unterstützt. Zuletzt gab es eine Spende für die wissenschaftlichen Unterrichtsräume für die Fächer Chemie und Physik. Leider hat die Schule zu viele Studenten, so dass es in letzter Zeit Probleme mit der Disziplin gab. Jürgen hat in einem Klassenraum Grüße vom ELM übermittelt und die Studenten ermutigt, konzentriert zu lernen, damit sie zum Wohl und zur Verbesserung der Lebensverhältnisse beitragen können.
Der Schulleiter wirkt sehr engagiert und scheint Veränderungen gegenüber aufgeschlossen zu sein.
Nach dem Besuch der Schule hatte Jürgen ein Gespräch im Hospital. Uns wurden Tee und Injera gereicht.
Mittags aß ich bei Christel. Während wir am Esstisch saßen, bekamen wir Besuch von 5 Äffchen, von denen zwei neugierig von der Veranda aus ins Wohnzimmer schauten. Zu schade, dass ich meinen Fotoapparat nicht dabei hatte. In der Mittagspause guckte ich den Film über das Hospital und notierte einige Fragen, die ich Christel später stellte. Bei Christel guckten wir dann noch einen kurzen Film über Fistula, bevor wir den Workshop weiter vorbereiteten. Ich sichtete das Unterrichtsmaterial zum Thema „Durchfallerkrankung”. Anschließend tranken wir Kaffee und machten dann einen Spaziergang im „Urwald” von Aira. Wir sahen Affen, wie sie von Baum zu Baum hüpften und Christel führte mich zur Wasserversorgungsanlage sowie zu einem Wasserfall. Es war total idyllisch, von dem lauten Geräusch der Wasserversorgungsanlage einmal abgesehen.
Auf dem Rückweg gingen wir noch zu einem Grundstück, auf dem schwangere Frauen bis zur Entbindung wohnen. Die Einrichtung soll der Muttersterblichkeit entgegenwirken. Es gibt auf dem Grundstück eine Küche, Nahrungsversorgung und einen Wohnraum mit Betten. Meist kommen die Männer mit und bleiben. Allerdings ist das platztechnisch sehr schwierig.
Abends kam Hermann Kruse mit dem Motorrad aus Tschallia und wir aßen alle gemeinsam bei Christel Abendbrot. Anschließend ging ich mit Christel zu der Norwegerin, wo eine Taizé Andacht stattfand.
11.12.2008 Aira – Tschallia
Um 7.30 Uhr frühstückte ich mit Christel und machte anschließend noch einmal einen Spaziergang im “Urwald”. Meine Kondition lässt absolut zu wünschen übrig. Die Luftfeuchtigkeit ist hier übrigens unheimlich hoch. Meine Haare wellen sich richtig.
Nach dem Spaziergang duschte ich und machte dann noch ein paar Fotos vom compound.
Um 10.30 Uhr fuhren Jürgen und ich nach Tschallia. Dort angekommen begrüßte uns Hermann Kruse. Wir besichtigten den Wohnbereich des compounds. Nachdem wir unsere Zimmer im Gästehaus bezogen hatten, aßen wir bei Hermann zu Mittag. Nach einer kurzen Mittagspause besichtigten wir die Building Trade School (BTS), die sich ebenfalls auf dem compound befindet. Zur BTS gehören eine Holz- und Metallwerkstatt, ein Sägewerk, ein Trainingszentrum für die theoretische Ausbildung, eine Anlage zur Herstellung von Mud-Blöcken (aus Sand, Erde, Stroh und Wasser hergestellte Blöcke, die zum Hausbau verwendet werden können) mit Brennofen, eine Schmiede, eine Kfz-Werkstatt, eine Saat- und Pflanzenzucht (Nursery, Baumschule), eine Bienenkorbproduktion, ein Maurer-Lehrplatz sowie viele Wohnungen und Häuser und Lagerstätten. Die BTS dient in erster Linie der Ausbildung, die aber auch mit Produktion zum Verkauf von Möbeln usw. verbunden ist. Wir machten ein Gruppenfoto mit allen Studenten und Lehrenden unter der Werkstatt mit der Aufschrift Building Trade School und fuhren anschließend mit Hermann raus. Wir fuhren zum ehemaligen Flugplatz, von dem aus uns Hermann seine Wälder zeigte (Aufforstung). Danach fuhren wir zu einem der Wälder und gingen hinein. Hermann berichtete uns, dass viele der Bäume von den Affen beschädigt worden seien. Wir konnten es sehen: Die Stämme waren kaputt. Nach der Spazierfahrt aßen wir bei Herrmann Abendbrot und unterhielten uns noch eine ganze Weile. Hermann kramte noch alte Dokumente und zwei alte Musikinstrumente (ein Tenorhorn und ein anderes Blasinstrument – Mischung aus Tuba und Susaphon – hervor). Gegen 22 Uhr verabschiedeten wir uns und verabredeten uns für 5 Uhr zum Frühstück.
12.12.2008 Tschallia -Nekempte-Ambo- Wenchi-Addis
Heute Morgen klingelte mein Wecker um 4 Uhr. Ich wusch unter dem kalten Wasser meine Haare und lud dann mit Jürgen unser Gepäck ins Auto. Jürgen gratulierte mir sofort zum Geburtstag und meinte, er wolle mich heute Abend zum Essen einladen, ich solle mir schon einmal überlegen, was ich essen wolle. Total nett. Anschließend gingen wir zu Hermann. Wir frühstückten mit zwei Äthiopiern zusammen. Doch zuvor entzündete Hermann drei Kerzen vor mir auf dem Tisch. Er und Jürgen sangen mir „viel Glück und viel Segen” als Geburtstagsständchen. Nicht, dass ich das als solches schon super fand. Sie toppten das Ganze noch, indem sie es im Kanon sangen. Ich war absolut gerührt. Gegen 5.30 Uhr verließen wir Tschallia. Es war noch dunkel draußen, der orangefarbene Vollmond leuchtete hell am Himmel. Während wir von Tschallia nach Gimbi fuhren, wurde es allmählich hell. Die ersten Sonnenstrahlen kamen durch die Wolken hindurch und ich hatte plötzlich einen Ohrwurm: „Wenn die Sonne ihre Strahlen morgens durch das Fenster schießt”. Die Täler lagen im Nebel und die Straßen begannen langsam, wieder zum Leben zu erwachen. Wir erreichten Gimbi viel schneller als ich es erwartet hatte. Wir fuhren weiter nach Nekempte, wo wir eigentlich frühstücken wollten. Eine Umleitung führte uns allerdings an dem Gebäude vorbei, so dass wir unsere Fahrt fortsetzten und erst irgendwo zwischen Nekempte und Ambo hinter einer Tankstelle anhielten. Jürgen und ich „brunchten” in einer herrlichen, paradiesähnlichen Anlage, zwischen Palmen und wunderschönen anderen Pflanzen. Einen schöneren Platz hätte ich mir für meinen Geburtstag nicht wünschen können.
Nachdem wir gegessen hatten, setzten wir unsere Fahrt Richtung Ambo fort. Die Strecke kannte ich ja bisher nur im Dunkeln. Ich genoss den Anblick der Landschaft. Die Fahrt war generell angenehmer als das letzte Mal. Es fanden Straßenarbeiten statt, so dass viele der Schlaglöcher ausgebessert waren. Irgendwo auf der Strecke kam uns ein Lastwagen mit Anhänger entgegen. Wir wollten links an ihm vorbei. Allerdings fuhr er provozierend weiter, so dass wir nicht dran vorbei kamen. Einer musste also zurücksetzen. Generell macht der Kleinere dem Größeren Platz. Jürgen entschied sich (wie auf unserer ersten Fahrt an der Brücke) spontan für eine Trinkpause und stieg aus, um die Äthiopier zum Nachdenken anzuregen, dass auch der Größere einmal dem Kleineren gegenüber nachgeben könne. Plötzlich waren wir von vielen Schaulustigen umgeben, woher auch immer die plötzlich kamen. Sie fragten, wo das Problem sei. Jürgen verglich seinen Toyota mit einer Fliege gegenüber dem LKW, und sagte, selbst die Fliege könne dafür sorgen, dass ein Elefant stehen bleiben muss. Darauf lachten alle Umstehenden, der LKW setzte zurück, und wir konnten die Fahrt fortsetzen.
Wir erreichten Ambo gegen 14.30 Uhr. Jürgen fragte mich, ob ich noch Lust auf einen kleinen Ausflug hätte. Eine Überraschung, wie es sich zu meinem Geburtstag gehöre… Wir hielten an einem Hotel in Ambo, nutzten die (sehr guten) Toiletten und Jürgen erfragte den Weg nach Wenchi, zum Krater-See. Auf dem Weg dorthin hielten wir öfters an, um die sagenhafte Landschaft zu genießen und zu fotografieren. Wir erreichten die 3000 m über N.N.. In Wenchi mussten wir Eintritt zahlen. Jürgen löste die Tickets und gab mir den Beleg mit den Worten: „Bitteschön. Zum Geburtstag.” War ich heute Morgen schon gerührt, so hielt es an. Wir fuhren mit dem Auto zu einem Aussichtspunkt und machten viele Fotos. Jürgen und ich stiegen einen Hügel hinab, zur nächsten Aussichtsplattform, begleitet von ein paar nervigen Kids, die ständig sagten „give money”. Uns wurde ein Trip zum See mit dem Pferd angeboten, wir lehnten allerdings ab und fuhren mit dem Auto weiter. Ich genoss jede Sekunde. Es war Zeit, den Weg nach Addis fortzusetzen. Wir schossen unterwegs noch ein paar Fotos und ich genoss das Abendrot und den traumhaft schönen Sonnenuntergang sowie den Aufgang des absolut runden, hellen Mondes. Gegen 19 Uhr erreichten wir den GHM compound. Ich duschte, zog mich um, traf auf Janka, die mir umgehend gratulierte und gegen 20 Uhr fuhren Jürgen und ich in die Stadt. Zuerst zum Ghion-Hotel. Da dort aber heute kein Abendprogramm stattfand, entschieden wir uns, zum Steakhouse zu fahren. Ich aß ein Steak mit Folienkartoffel. Sehr lecker. Zwischendurch bekam ich einen Anruf meiner Eltern, die ich auf später vertröstete. Nachdem wir gegessen hatten, fuhren wir zurück zum compound. Es war mittlerweile 22.30 Uhr und wir waren beide ziemlich k.o. . In Gulele angekommen, bemerkte ich, dass ich meine Handtasche im Steakhouse vergessen hatte. Der arme Jürgen! Wir fuhren also noch einmal los. Ich hatte Glück, sie hatten die Tasche sogar im Tresor eingeschlossen. Zurück auf dem compound bedankte ich mich bei Jürgen für den wunderschönen Tag. Ich nahm dann noch den Anruf meiner Eltern entgegen und rief danach meine unzähligen E-Mails ab. Unglaublich, wie viele Leute an mich gedacht haben!
Allen die an mich gedacht haben, aber besonders Jürgen, gilt mein ausdrücklicher Dank für diesen ganz besonderen Geburtstag! Er war wirklich absolut super und wird mir mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben!
13.12.2008 Addis
Heute Vormittag frühstückte ich auf dem compound und rief meine E-Mails noch einmal ab. Es trudelten immer noch Geburtstagswünsche ein. Angela und Martin Müller luden Jürgen und mich noch zu ihrer Abschiedsfeier ein, die heute Abend im Gästehaus stattfinden sollte. Janka und ich berieten uns kurzerhand, was wir ihnen schenken könnten und besprachen das später mit Schuerhoffs. Um 11 Uhr war ich mit Thorsten verabredet, um das Kinderprogramm am Langano noch einmal ein bisschen zu besprechen. Stephi war beim Arzt. Als sie zurückkam, sprachen wir kurz über Müllers Abschiedsgeschenk und entschieden, dass wir zusammen etwas schenken. Ich rief Janka an, die ohnehin gerade unterwegs war und sie besorgte es. Kurz darauf überreichte mir Stephi ein Geschenk, von ihnen und Behrends. Ich packte es gleich aus: Eine äthiopische Tonschale und ein Ton-Kerzenständer. Das wäre natürlich nicht nötig gewesen, aber gefreut habe ich mich dennoch unheimlich! Gegen 14 Uhr fuhr ich zu Behrends, wo ich mit Hanna verabredet war. Auch von ihr bekam ich unerwarteter Weise ein Geschenk: ein total schönes Kissen. Wir quatschten viel und lange. Zwischendurch kam Ursel hinzu und fragte mich, wie ich Weihnachten verbringen würde und lud mich zu sich ein.
Gegen 16.30 Uhr fuhr ich zurück zum compound. Janka hatte ein Buch aus Bananenblättern besorgt, das wir als Gästebuch bei der Party als Andenken verwenden wollten. Stephi und ich schrieben noch einen kleinen Gruß vorne hinein und Thorsten bastelte (als Starthilfe für den Neubeginn in Deutschland) einen 10-Euro-Papierflieger, den wir in das Buch klebten. Dann machten wir uns auf den Weg zur Abschiedsparty. Müllers freuten sich sehr über das Geschenk und wir schafften es auch, dass sich viele der Gäste darin verewigten. Es war ein sehr netter Abend.
14.12.2008 Addis-Hossana
Heute Morgen fuhr ich mit Thorsten und den Kids zum Gottesdienst in der deutschen Gemeinde. Es war ein Familien(Advents-)Gottesdienst mit Taufe. Die Schüler und Schülerinnen der Deutschen Botschaftsschule sangen erst einem Mitschüler ein Geburtstagsständchen und anschließend ein Weihnachtslied. Sie bereicherten den Gottesdienst auch mit einem Schattenspiel zu der Bibelgeschichte des „verlorenen Schafes”. Es war wieder einmal ein sehr netter Gottesdienst. Leider musste ich sofort danach los, ich war mit meinem Nachbarn Klaus am Mega-Building auf der Bole-Road verabredet und musste mit dem nächstbesten contract Taxi dorthin fahren. Zum Glück verlangte der Fahrer keinen allzu hohen Preis. Es klappte alles bestens und so fuhr ich dann -mit einer Mittagspause in Butajira – mit Klaus zurück nach Hossana.