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Hossana/Sodo/Arba Minch/Awassa

Hossana-Sodo-Arba Minch-Awassa

26.2.2009

Die Nacht war sehr unruhig. Es war stürmisch und es erklangen merkwürdige Geräusche, die sich so anhörten, als würde jemand versuchen einzubrechen. Ich stand zwei Mal auf, knipste das Licht an und machte einen Kontrollgang. Doch bis auf den Sturm draußen war alles ruhig. Um 5 Uhr klingelte mein Wecker. Ich packte den Rest meiner Sachen zusammen, ging noch ein letztes Mal auf die Toilette … und bekam einen Schreck. Gerade jetzt musste sie verstopfen. Was tun? Das Taxi musste jeden Moment die Synodeneinfahrt erreichen, der public transport würde nicht warten… Also nahm ich einen Zettel und einen Stift zur Hand und bat meinen Nachbarn Franz, sich darum zu kümmern. Ich legte ihm Zettel und Hausschlüssel vor die Haustür. Dort würde er beides finden. Kurz darauf klingelte mein Handy und Emnet teilte mir mit, dass sie und das Taxi soeben an der Einfahrt der Synode angekommen seien. Um 6.15 Uhr erreichten wir den Busbahnhof. Der erste Bus war bereits voll, ich stieg in den zweiten Bus und durfte auf dem Beifahrersitz Platz nehmen (das ist definitiv der bequemste Platz im ganzen Bus). Während wir warteten, dass der Bus sich füllte (es gibt keine festen Abfahrtzeiten, der Bus fährt, sobald alle Plätze belegt sind), beobachtete ich den wundervollen, knall orangefarbenen Sonnenaufgang. Kurz nach Abfahrt telefonierte ich mit Silke, um zu hören, wie lange sie ungefähr von Addis nach Arba Minch bräuchte. Sie teilte mir mit, dass sie wohl 9 Stunden brauchen würde.

Ich genoss die Sicht auf die Berge und nach zwei Stunden erreichte ich Sodo.

Sodo ist die Hauptstadt der Provinz Wolayta und wird oft auch „Wolayta Sodo“ genannt. Das Städtchen liegt an der Grenze zwischen den Provinzen Sidamo, Kaffa und Gamo Gofa. Die Wolayta bauen neben Getreide auch noch Baumwolle, Ensete und Tabak an. Die Hütten der Wolayta sind oft ungewöhnlich geräumig, so dass sie verschiedene Abteilungen für Menschen, Vieh, Küche, Schlafen, etc. aufweisen. Sorgfältige Flechtarbeiten kennzeichnen die Hütten der Wolayta. Das Dach der Grashütten wird von einem oder mehreren Straußeneiern gekrönt. Es ist ein Symbol der Fruchtbarkeit.

In Sodo musste ich umsteigen. Ein Junge nahm mir ungefragt mein Gepäck aus der Hand und lief damit voraus. Er lief in Richtung Ausgang. Als ich ihn endlich erreicht hatte, teilte ich ihm mit, dass er warten solle, ich wollte schließlich nicht zum Ausgang sondern nach Arba Minch. Er war etwas wütend als ich ihm mein Gepäck abnahm und ihm kein Geld zahlte… und so meinte er, es gäbe keinen Bus nach Arba Minch. Ein anderer Äthiopier bekam das mit und jagte den Jungen fort. Der Bus nach Arba Minch war noch nicht eingetroffen. Ich unterhielt mich eine Weile mit ein paar Äthiopiern. Etwa eine Stunde später nahm mich einer der  Äthiopier an die Hand und wies den Ticketverkäufer an, mich zu bevorzugen. Naja. Eigentlich war es kein Ticketverkäufer, sondern jemand, der die Namen der Passagiere auf einem Papierfetzen notierte. Die Leute schlugen sich fast, damit ihr Name auch auf jeden Fall auf die Liste gesetzt würde. Als der Bus eintraf, stellten wir uns am Eingang an, bzw. die Äthiopier drängelten sich bis zur Tür, um eventuell doch noch einen Platz zu ergattern. Die Namen auf der Liste wurden aufgerufen, allerdings kam man kaum bis zur Tür durch. Als ich an der Reihe war, wurden die anderen netterweise dazu angehalten, Platz zu machen. Ich ergatterte den Fensterplatz ganz hinten auf der rechten Seite. Um 10.40 Uhr fuhr der Bus los. Die Straße war ziemlich schlecht, der Asphalt wies viele Schlaglöcher auf und bei einem Großteil der Strecke handelte es sich um eine befestigte Kieselsteinstraße (rough road). Dass das Gebiet deutlich niedriger liegt als Hossana war daran zu merken, dass wir uns in der Savanne befanden. Die Gegend war staubig und trocken, man sah lediglich ein paar verdorrte Akazien am Straßenrand und auf den Feldern stehen. Wir kamen an „typischen“ afrikanischen Dörfern vorbei: Grashäuser mit Rinderherden drum herum und vereinzelten Akazien. Der Boden war staubig, keine Straßen angelegt.

Nach einer Weile kamen wir an Bananenplantagen vorbei. Wie krass dieser Unterschied zu der vorherigen Landschaft war. Hier war nun alles grün, die Bananenbäume leuchteten schon von weitem. In einem kleinen Dorf wurden uns Bananen durch das Busfenster verkauft. Die Flüsse führten allerdings auch hier keinen Tropfen Wasser.

Um 14 Uhr erreichte ich den Busbahnhof in Arba Minch. Ich rief Emnets Freundin an. Als sie kurz darauf den Busbahnhof erreichte, sahen wir uns nicht sofort. Wir telefonierten noch einmal. Ich sah sie dann auch und gab ihr über Telefon Anweisungen, wie sie sich zu drehen habe, während ich auf sie zu ging. Wir machten uns dann auf den Weg in die Stadt. Im Tourist Hotel tranken wir einen Saft, bevor wir ein Dreiradtaxi organisierten, das uns zur „paradise lodge“, in die obere Stadt bringen sollte. Arba Minch besteht aus zwei Stadtteilen: Die untere Stadt (Sikela) und die obere Stadt (Shechi). Von der oberen Stadt hat man einen Blick auf den Chamo See und den Abyata See. Die beiden Stadtteile liegen etwa 3 km auseinander.

Der Taxifahrer kassierte dann auch 40 birr für die Strecke… das ist für äthiopische Verhältnisse ganz schön viel. In der Lodge angekommen, wurde uns unser „Zimmer“ gezeigt. Die ganze Anlage ist im einheimischen Stil gebaut. Die Zimmer sind Grashäuser, mit Doppelbett oder zwei einzelnen Betten, einem Fernseher, Kühlschrank, Spiegel, Schrank, Veranda und einem Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Dusche. Von den äußeren Häusern hat man einen schönen Blick über den unterhalb liegenden Urwald und über die Seen (Der Abaya, links, ist der zweit größte See Äthiopiens und er Chamo See, rechts). Aus dem Wald dringt das Schreien der Affen bis zur Lodge hoch. Das Restaurant und die Bar sind ebenfalls mit Grasdächern bedeckt. Die Lodge hat ihren Namen wirklich zu Recht verdient: Man fühlt sich wie im Paradies. Schade, dass die Küche vor einiger Zeit abgebrannt ist, sie befindet sich im Wiederaufbau (derzeit hält eine Wellblechhütte als Küche her). Das Schwimmbad wird gerade gebaut. Es gibt eine Sauna, Steam Bath und Massage. Das haben wir allerdings nicht genutzt.

Ich duschte und dann tranken Ayal und ich einen Avocado-Papaya-Saft in der Bar. Anschließend machten wir einen Spaziergang, um die Lodge zu erkunden. Silke kam gegen 18 Uhr an. Etwa eine Stunde später setzten wir uns alle drei ins Restaurant und bestellten unser Abendessen. Es gibt sowohl traditionelle als auch internationale Gerichte. Die Preise sind okay. Auf jeden Fall auch deutlich günstiger als wenn wir pro Abend noch 80 birr Taxi drauf rechnen müssten… . Nach dem Essen hatten wir Schwierigkeiten, Ayal wieder los zu werden. Angeblich traute sie sich nicht im Dunkeln mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Wir bestellten es ihr trotzdem (wollte sie bei uns im  Zimmer schlafen?). Sie hatte kein Geld mit, also bezahlten wir ihr das Taxi. Anschließend setzten Silke und ich uns noch kurz in die Bar, tranken ein Bier und aßen Obstsalat. Dabei kamen wir mit Niederländern ins Gespräch. Gegen Mitternacht fielen wir völlig erschöpft ins Bett. Es war übrigens so warm, dass wir in ¾ Hosen und im Trägershirt herum liefen. Selbst in der Unterstadt liefen viele mit Trägershirts herum.

Fazit des heutigen Tages: Absolutes Urlaubsfeeling!

Arba Minch ist die Hauptstadt der Provinz Gamo-Gofa und bedeutet „40 Quellen“ (arba = 40, minch = Quelle). Sprudelnden Bächen, die im Unterholz der Wälder in der Umgebung aus dem Boden schießen, verdankt die Stadt ihren Namen. Die Stadt liegt auf einem Grat, der die Seen Abaya und Chamo trennt. Sie bietet eine traumhafte Aussicht auf die beiden Seen mit dem Nech Sar Nationalpark im Osten und das Guge-Massiv im Westen. Diese Landenge trägt aufgrund ihrer Schönheit den Spitznamen „Himmelsbrücke“.

27.2.2009   Das Volk der Dorze und der Chamo-See

Um 8 Uhr wurden wir durch singende Putzkräfte nebenan geweckt ;-) . Es war nicht schlimm, unser Wecker klingelte kurz darauf. Wir merkten noch im Bett, dass heute ein genauso heißer Tag werden würde wie der gestrige. Wir duschten, zogen kurze Sachen an und gingen dann zum Frühstück. Wir saßen draußen in der Sonne, aßen French Toast und dazu Brot mit Marmelade, tranken Papaya-Mango Saft und tranken Kaffee. Es war herrlich. Wir klärten an der Rezeption noch ein paar Dinge und dann nahm uns Dellu (ein Äthiopier aus Awassa) mit in die Unterstadt. Wir tauschten unsere Handynummern aus. Dellu meinte, wir sollten uns melden, wenn wir am Sonntag nach Awassa kämen. In der Unterstadt suchten wir im Tourist Hotel den Franzosen, der unbedingt in den Nech Sar Nationalpark möchte und eine Mitfahrgelegenheit sucht. Wir sprachen den Franzosen an, der im Garten des Hotels saß. Er meinte, er sei wohl nicht DER „French guy“… Wir unterhielten uns dennoch eine Weile mit Felix (so hieß er). Während wir auf den Taxifahrer von gestern warteten, der uns das mit DEM Franzosen erzählt hatte, tranken wir mit Felix einen Saft. Anschließend führte uns der Taxifahrer zu einem anderen Hotel, indem DER Franzose wohnte. Er war gerade nicht dort, also hinterließen wir eine kurze Notiz. Die Aktion war witzig, auch wenn sich der Franzose nicht mehr bei uns gemeldet hat. Wir machten uns auf den Weg zum Supermarkt und kauften noch ein paar Sachen für unseren Ausflug ein. Um 11.30 Uhr trafen wir uns mit unserem guide Heile am Tourist Hotel und kurz darauf fuhren wir mit dem Four-Wheel-Drive zum Stamm der Dorze.

Das Zentrum der Dorze ist in Chencha. Das Volk der Dorze sind heute sesshafte Ackerbauern, früher waren sie als Kriegervolk bekannt. Heutzutage sind sie für ihre Baumwollwebereien bekannt, die aus sehr dickem Garn hergestellt werden (dem Bergklima entsprechend).

Wir besuchten ein Dorze Dorf. Uns wurde gezeigt, wie die Baumwolltücher („bukulu“) gewebt werden, wurden in Häuser und zu einer Kaffeezeremonie eingeladen. Uns wurde gezeigt, wie Kocho hergestellt wird und wie eine Dorze-Hütte gebaut wird. Sie wird aus Bambus geflochten und dann mit Lehm gefestigt. Auch die Zäune sind kunstvoll aus Bambus geflochten. Die Leute waren alle sehr freundlich und die Kinder scharrten sich um uns. Natürlich versuchten die Dorfbewohner, uns ihre selbst hergestellten Waren zu verkaufen. Letztendlich erstanden Silke und ich Baumwolltücher, Löffel aus (ich vermute Rinderhörnern) und Kaffeekannen. Anschließend fuhren wir nach Arba Minch und kauften das 24-Stunden-Ticket für den Nationalpark (ca. 100 birr pro Person), das auch für die Bootstour gültig ist. Unser Fahrer setzte uns zum Mittagessen und Kameraaufladen an der Lodge ab. Eine Dreiviertelstunde später befanden wir uns auf dem Weg zum Chamo See. Für die Bootstour (Bootsführer, Benzin, Boot) bezahlten wir noch einmal 580 birr (bzw. 290 birr pro Person). Ein kaputtes, umgedrehtes Boot diente als Steg. Wir fuhren mit unserem guide, dem Bootsführer und dem Schiffsjungen mit dem Motorboot auf dem See. Es dauerte nicht lange, da flogen die ersten Pelikane über uns hinweg und die ersten hippos tauchten vor uns auf und verschwanden sofort wieder. Auch vereinzelte schwimmende Krokodile bekamen wir zu Gesicht. Wir genossen die Bootstour in der warmen Sonne. Ein paar Nilpferde hielten ein „meeting“ ab, so dass wir das Glück hatten, gleich mehrere aus der Nähe beobachten zu können. Wir drehten ein paar Runden und fuhren dann weiter zum „crocodile market“, einer kleinen Landzunge im See, auf dem riesige Krokodile lagen. Zuerst dachten wir, die seien tot, aber wir hatten das Glück zu sehen, wie eines der Tiere sein Maul ganz langsam zu und wieder auf machte. Faszinierend. Einige kleinere Tiere kamen näher an unser Boot heran, tauchten aber dann unter. Auch an einer Pelikan-„Sammelstelle“ kamen wir vorbei. Auf dem See gab es außerdem viele Fischerjungen, die mit ihren schmalen Holzbooten fischten und ab und an nach Krokodilen schlugen. Wir sahen auch Reiher, Marabus und Kormorane. Als wir uns auf den Rückweg zum Anleger machten, ging die Sonne langsam über dem See unter. Es war ein herrlicher Anblick. Auf dem Weg zur Lodge sahen wir viele Affen, zwei saßen direkt auf der Straße und ließen sich problemlos von uns aus nächster Nähe ablichten.

Der Chamo-See hat eine Fläche von ca. 551 km2.

In der Lodge fragten wir, ob wir unsere Fotos an dem office Computer von der Speicherkarte auf einen Memorystick ziehen dürften. Es war überhaupt kein Problem. Anschließend gingen wir duschen und cremten dann unsere Sonnenbrände ein. Danach aßen wir im Lodge-Restaurant Abendbrot, während einige Angestellte zu Musik im Restaurant tanzten. Es herrschte eine tolle Atmosphäre. Wir machten die Bekanntschaft mit dem Lodge-Manager sowie mit dem Manager einer Bank. Letzterer bot uns an, morgen Nachmittag mit seinem Auto zu einer der Quellen zu fahren, wo man auch baden könne. Wir sagten zu.

Wir tranken noch ein Bier und Fanta Ananas, während wir kurze Notizen zum heutigen Tag verfassten. Anschließend gingen wir ins Zimmer. Wir redeten über den heutigen Tag und mussten so lachen, da wir beide einen Ohrwurm des Liedes „can you feel the love tonight“ hatten, das heute Morgen instrumental beim Frühstück gespielt wurde.

Ein wunderschöner Tag ging erneut zu ende.

28.2.2009     Nech Sar National Park

Zwischen und östlich der Seen Abaya (ca. 1160 km2, zweitgrößter See Äthiopiens) und Chamo liegt der Nech Sar (auch Nechi Sar)Nationalpark. Nech Sar heißt „weißes Gras“, das während der Trockenzeit überall im Park zu sehen ist. Der Nationalpark hat eine Fläche von ca. 514 km2 und liegt zwischen 1100 m und 1600 m über N.N. Er besteht aus den bewaldeten Uferstreifen der Seen sowie aus der weiten Ebene der Nech Sar Plains.

Heute standen wir um kurz nach 5 Uhr auf. Gegen kurz vor sechs Uhr setzten wir uns auf die Veranda der Rezeption und beobachteten den Sonnenaufgang über dem Abaya See. Der Manager kam um kurz nach 6 Uhr. Wir fragten, ob wir wohl auf der Veranda frühstücken dürften und er servierte uns das Frühstück höchstpersönlich. Es war einfach traumhaft. Der rot-, orange-, gelb-, goldfarbene Sonnenaufgang über dem See war schon faszinierend, die Geräusche der Affen aus dem unterhalb liegenden Wald und das leckere Frühstück auf der Veranda gaben uns das Gefühl wirklich im Paradies zu sein. Um 7 Uhr fuhren wir mit unserem gemieteten Auto und Fahrer von gestern (2750 birr für zwei Tage und zwei Personen) in den Nech Sar National Park. Der Park weist eine reiche Savannenflora und -fauna auf. Neben vertrockneten Akazien und Sträuchern  gab es u.a. viel weißes Gras, auf dem Zebras weideten. Affen hüpften vor uns über den Weg, wir sahen Truthahn ähnliche Vögel, Adler, Dikdiks, Weißkopfseeadler, Marabus, Kormorane, Echsen, ein Chamäleon, Füchse, Rinderherden (der Godji?), Antilopen, Wildschweine, Schakale, viele verschiedene Vögel, Eichhörnchen und vieles mehr. Wir hatten einen Blick über das weite Land, mit vereinzelten Bäumen. Auch von hier aus hatte man an einigen Stellen einen Blick über die beiden Seen. Es war heiß und wir hatten das Gefühl, jetzt „so richtig“ in Afrika zu sein. Das einzige was dazu genau genommen fehlte, waren die Hütten der EinheimischenJ. Es fehlen mir die Worte, um dieses traumhafte Erlebnis -so eindrucksvoll wie es in Wirklichkeit gewesen ist- zu beschreiben. Ich genoss jeden Augenblick der Fahrt.

Gegen Mittag erreichten wir die Lodge. Wir bestellten unser Mittagessen und kurz darauf gesellte sich Beruk (der Manager der Bank) zu uns. Kurz darauf brachen wir auf, zur Quelle. Wir fuhren durch einen Urwald (unterhalb der Lodge), sahen Affen und hielten bei Kindern an, die an Lianen schaukelten. Wir taten es ihnen nach. Die Kids waren ganz begeistert, als ich mit einem Hüftaufschwung die Liane erklomm (zugegeben, ich war es auch…hätte nicht gedacht, dass ich es noch problemlos hinbekomme). Ich schaukelte sowohl im Sitzen als auch im Stehen. Es war ein faszinierendes Gefühl, auf einer Pflanze zu schaukeln. Anschließend fuhren wir weiter. Wir wurden von einem Wächter zum Parkplatz der Quelle gelassen. Wir stiegen aus und machten einen kleinen Spaziergang am Bach entlang. Dort schossen wir einige Fotos. Wir kamen an einen riesigen toten Baumstamm, der uns zum Klettern animierte. Kurz darauf gingen wir zur Quelle. Der Bach und die Quelle waren durch einen Stacheldrahtzaun von einander getrennt. In der Quelle badeten heute ganz viele äthiopische Kinder und Jugendliche. Beruk meinte, sonst seien immer nur 1-2 Kids da (die sich erfrischten, wenn sie vom Holzholen aus dem Wald kamen), heute waren es bestimmt ca.20 Kids. Wir badeten erst im Bach und machten dabei die Bekanntschaft mit Franzosen/Belgierinnen. Carime arbeitet im Krankenhaus in Huy (Belgien) und lud mich zu sich ein, wenn ich mal wieder in Belgien sein sollte. Eine Weile später entschieden Silke und ich, durch den Zaun zu klettern und mit den  Äthiopiern zu baden. Sobald wir im Wasser waren fand eine Wasserschlacht „jeder gegen jeden“ statt. Total lustig. Wir unterhielten uns mit den Kids und hatten viel Spaß zusammen. Nach dem erfrischenden Bad trockneten wir uns ab und zogen uns (hinter Handtüchern) um. Danach machten wir noch einen Waldspaziergang. Der Parkplatzwächter begleitete Silke, Beruk und mich. Während des Spazierganges erfuhren wir, dass heute ein Mann getötet worden sei, der Mörder sei noch nicht gefasst. Wir kletterten wieder auf Bäume, beobachteten Affen und schaukelten an /auf mehreren Lianen. Auf dem Rückweg wurde uns die Wasserversorgungsanlage von Arba Minch gezeigt. Auf der Rückfahrt begleitete uns der Wächter mit seiner Kalaschnikow, um den Mörder im Wald zu suchen. Wir fuhren kurz zur Lodge, zogen uns um und fuhren dann mit Beruk zum Swaynes Hotel, wo wir zu Abend aßen. Dort waren erstaunlich viele französischsprachige Gäste zugegen. Später fuhren wir zusammen zur Lodge. Wir zogen unsere Fotos auf den Stick und ich bezahlte mit der Visakarte die Übernachtungen (1150 birr insgesamt). Später füllten wir uns unsere gekaufte Flasche Wein in Getränkedosen und setzten uns an das Lagerfeuer der Lodge. Wir unterhielten uns mit Koreanern und Äthiopiern und kamen auch mit zwei Irinnen ins Gespräch. Sie fahren morgen über Shashamane nach Addis. Nach Rücksprache mit ihrem Fahrer meinten sie, wir könnten gerne im Auto mitfahren. Wir verabredeten uns für 9 Uhr an der Rezeption.

Der heutige Tag war wieder gespickt mit vielen Eindrücken und tollen Begegnungen. Die Erlebnisse sind faszinierend und überwältigend.

1.3.2009 Arba Minch – Awassa

Um 8 Uhr aßen wir Frühstück, Sachen waren schon gepackt. Die Irinnen waren noch auf dem Chamo See unterwegs und kamen später zurück als geplant. Somit verzögerte sich auch unsere Abfahrt, was zur Folge hatte, dass der Fahrer nicht über Shashamane sondern über Sodo und Hossana zurückfahren wollte. Wir entscheiden, bis Sodo mitzufahren und von dort aus mit dem public transport nach Awassa (Hauptstadt der Südregion) zu fahren. Wir hatten eine sehr nette, komfortable und unterhaltungsreiche, dreistündige Autofahrt. In Sodo stellte sich zudem noch heraus, dass sie für uns kostenfrei gewesen ist. Wie nett! Wir gingen noch alle zusammen im Bekele Molla Hotel etwas essen. Dem Fahrer war danach etwas übel, aber er meinte später, da er Chad kauen würde, ginge es ihm schon besser…

Er hatte übrigens versucht, uns eine Mitfahrgelegenheit nach Awassa zu organisieren, leider erfolglos. Naja. Halb so wild. Wir verabschiedeten uns also und machten uns auf den Weg zum Busbahnhof. Wir wurden von hilfsbereiten Äthiopiern begleitet, die uns sofort unseren Bus zeigten. Die Straße von Sodo nach Awassa ist nicht besonders gut. Wir kamen durch Shashamane durch, sahen allerdings keine Rastas, obwohl es eigentlich eine Hochburg sein soll. Wir sahen den Sonnenuntergang über dem Awassa See vom Bus aus und erreichten gegen 18.45 Uhr den Busbahnhof. Wir fuhren mit dem Dreiradtaxi zum Hotel „circle of life“, das uns von Felix empfohlen wurde. Allerdings befürchteten wir, dass es dort nachts zu laut sei und ließen uns vom Taxifahrer zum „Webele Shebele 2“ (oder so ähnlich) fahren, das direkt am See liegt. Wir sahen uns  die Zimmer dort an, nix dolles, aber völlig okay und eben direkt am See. Wir sahen und hörten Äffchen. Nachdem wir die Sachen im Zimmer verstaut und uns lange Sachen angezogen hatten, gingen wir ins Hotelrestaurant und aßen auf der Veranda undtranken dazu ein Gläschen Pernod. Mir war gerade noch rechtzeitig eingefallen, dass sie das besser nicht mit Leitungswasser verdünnen sollten. Wir entschieden uns für Mineralwasser. Der Geschmack war etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr erfrischend und lecker. Das Essen war sehr günstig und wir kamen mit einem Amerikaner in Kontakt. Nachdem wir gegessen hatten, setzten Silke und ich uns noch an den See. Wir beobachteten Glühwürmchen und später gingen wir dann noch bei dem Ami und seinem Arbeitskollegen vorbei. Anschließend tranken wir noch einen Absacker am See, machten Fotos mit Belichtungsversuchen und fanden anschließend unser Haus nicht wieder. Nein, wir waren nicht betrunken! Ich war mir SICHER, welches Haus es war, aber die Schlüsselnummer stimmte nicht mit der Hausnummer überein. Ich versuchte es einfach… und siehe da: Ich hatte Recht!

Die Nacht war sehr warm und das Mückennetz leider kaputt (und das in einem Malariagebiet).

2.3.2009       Awassa-Hossana (Wenn einer eine Reise tut…)

Wir standen um 8 Uhr auf, packten unsere Sachen und gingen zum Frühstück auf die Veranda, mit Blick auf den See. Es gab Rührei und Brot mit Marmelade, Saft und Kaffee. Anschließend fotografierten und filmten wir die frei herumlaufenden Affen. Die sind zum Teil echt zutraulich. Wir deponierten unser Gepäck in der Rezeption und fuhren dann mit dem Dreiradtaxi in die Stadt, zum Markt. Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre. Es war sehr voll, aber wir wurden weder als „ferenj“ gerufen, noch wurden wir angebettelt. Es herrschte ein buntes Treiben und ich versuchte die Eindrücke unauffällig mit Fotoapparat und Videokamera festzuhalten. Anschließend tranken wir Saft in einem Hotel und kauften in einem Sportgeschäft ein Geburtstagsgeschenk für Jan (Federballschläger und Bälle).

Awassa ist eine recht gut asphaltierte, schön bepflanzte Stadt mit unzähligen Dreiradtaxis.

Danach fuhren wir zurück ins Webele Schebele 2 und beobachteten noch ein bisschen die Affen. Silke ging es nicht so gut, von daher bestellte ich mir alleine etwas zu essen und setzte mich mit meinen Pommes an den See. Obwohl ich vorgewarnt war und gut aufpasste, gelang es doch tatsächlich einem Äffchen, mir eine Handvoll Pommes vom Teller zu stibitzen. Er besaß dann sogar noch die Dreistigkeit, sich auf den Stuhl neben mir zu setzen… J. Leider war meine Speicherkarte voll, das hätte ich zu gern festgehalten. Nach dem Essen trafen wir zufällig Selka und Alex (aus Addis), die von den Bale Mountains zurückgekommen waren. Silke entschied sich spontan, mit denen zurück nach Addis zu fahren. Ich machte mich also allein auf den Weg zum Busbahnhof. Dort angekommen, wurde mir erzählt, es gäbe heute keinen Bus mehr nach Hossana, auch nicht von Shashamane aus, ich solle morgen fahren. WAAS!? Das geht nicht! Muss ja morgen arbeiten! Ich suchte die „Busauskunft“ auf und mir wurde dasselbe noch einmal erzählt. Ich erklärte, dass ich unbedingt HEUTE nach Hossana müsse, egal wie. Ich fragte, ob es Busse nach Sodo, Butajira oder Durame geben würde. Daraufhin wurde mir gesagt, dass ein ISUZU nach Hossana fahren würde, ich solle im Büro warten. Nach einer Stunde kam einer der Mitarbeiter zu mir und meinte, der ISUZU würde heute doch nicht fahren. Ich bekam Panik. Denn ich hatte nicht einmal genug Geld mehr, um irgendwo übernachten zu können. Ich fragte noch einmal nach Bussen nach Durame, Sodo, etc. und bekam zur Antwort, dass der letzte Bus nach Durame gerade vor einer halben Stunde abgefahren sei. Nicht zu fassen! Jemand bot mir an, mich für 800 birr nach Hossana zu fahren (hallo, geht’s noch?). Letztendlich fand sich eine Gruppe, die einen Minibus und die Erlaubnis der Busstation organisieren konnte, um mich hinter dem Bus nach Durame herzufahren, für 40 birr. Der Minibusfahrer telefonierte mit dem Durame-Busfahrer und bekam eine positive Rückmeldung. Der Minibus preschte los und fuhr mit Vollgas über die Straße. Bei Straßenkontrollen wurde das Fenster geöffnet, herausgerufen, dass wir den Bus einholen müssten und schon wurde wiederbeschleunigt. Wir schafften es, den Bus einzuholen. Alle halfen mir, umzusteigen und die Minibusleute ließen sich meine Nummer geben. Sie fragten auch, wie ich von Durame nach Hossana kommen wollte, es gäbe keinen Anschlussbus. Aber DAS hatte ich ja zum Glück schon organisiert. Mein lieber Nachbar Franz würde mich dort mit seinem Auto abholen. Im Bus nach Durame fragte ich dann, wann wir Durame erreichen würden… und bekam den nächsten Schock. Die Antwort lautete: Um 19 Uhr. Da wäre es bereits dunkel und Franz fährt im Dunkeln hier im Land kein Auto. Ich erreichte ihn nicht. Als er mich später anrief und mir mitteilte, er sei jetzt in Durame, wo ich denn sei, erzählte ich ihm, dass der Bus angeblich erst um 19 Uhr Durame erreiche. Er meinte, dann würde er wieder fahren, da sei es bereits dunkel (wie ich erwartet hatte), aber er würde mein Hotelzimmer bezahlen, dann könne ich zumindest übernachten und morgen zurückkommen. Er hatte es gerade gesagt, als ich meinte, vor einem Hotel sein Auto gesehen zu haben. Ich fragte einen Äthiopier nach der äthiopischen Uhrzeit, wann wir in Durame ankämen. Die Antwort lautete- wie ich bereits gerade angenommen hatte – 11 Uhr. Das ist nach europäischer Zeit 17 Uhr und nicht 19 Uhr! Ich rief Franz an, um ihm das zu sagen (es war 16.55 Uhr) und dann fuhren wir auch schon auf dem Busbahnhof in Durame ein. Ich stieg aus und lief zu dem Hotel, vor dem tatsächlich Franz‘ Auto stand. Wir tranken ein Bierchen und fuhren dann zurück nach Hossana. Die Fahrt dauerte ca. 1,5 Stunden. Ich glaube, das kann ich bei Franz nie wieder gut machen! Was für ein Abenteuer!

Zuhause angekommen, fiel ich todmüde und völlig erledigt in mein Bett.

Fazit des heutigen Tages: Ich reise nie wieder mit wenig Geld, wenn ich in Äthiopien unterwegs bin und vertraue grundsätzlich keinen Auskünften :-) !

Arba Minch

146 Fotos

Awassa

41 Fotos

 

Autor: birte

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