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Nordtour

vom 5. – 15. April

Lalibela-Axum-Gondar-Bahar Dar (Historische Route)

Sonntag, 5. April   Addis-Lalibela
Start: 12.20 Uhr Flughafen Addis Abeba
Bis zum Boarding war es noch eine Stunde, also setzte ich mich ins „London Café“ und bestellte eine Cola. Am Nachbartisch saßen zwei weiße junge Frauen, etwa in meinem Alter, die im Reiseführer lasen. Ich nahm meine Cola und fragte, ob ich mich zu ihnen gesellen dürfe. Es stellte sich heraus, dass Yvonne und Anja aus Deutschland kommen und seit ein paar Jahren in Kenia arbeiten. Auch sie wollten nach Lalibela fliegen und so planten wir gemeinsam den Aufenthalt. Sehr praktisch, dass auch sie ins „ Seven Olives“ Hotel wollten. Die Zeit bis zum Boarding verging wie im Flug und das, obwohl sich die Boardingzeit  wegen eines Motorschadens 1 ½  Stunden nach hinten verschoben hatte….
Die Sicherheitskontrollen waren übrigens nicht sehr streng. Selbst Getränke und Scheren durften im Handgepäck transportiert werden. Ich hatte auch keinerlei Schwierigkeiten, mit meiner äthiopischen ID weiterzukommen.  Wie gut, dass ich diese ID besitze, sie hat mir eine Menge Geld gespart. Das was ich für alle Flüge zusammen bezahlt habe (ca. 150 Euro) kostet ohne ID ein einziger Flug… . Im Flugzeug gab es keine festen Sitzplätze. Ich suchte mir einen Fensterplatz und kam während des Fluges mit dem vor mir sitzenden Engländer ins Gespräch. Das Flugzeug flog zuerst nach Bahar Dar, dort stiegen Passagiere ein und aus und dann ging es weiter nach Lalibela. Die Landschaft war faszinierend und abwechslungsreich. Wir flogen über weites, trockenes Land mit einzelnen Akazien und dann lag  eine Gebirgslandschaft unter uns. Der Flughafen in Lalibela ist sehr klein. Die Hitze schlug uns beim aussteigen ins Gesicht. Zu Fuß gingen wir vom Flugzeug ins Flughafengebäude. Dort standen viele kleine Einzeltische, die jeweils einem Hotel zugeordnet waren. Wir meldeten uns am „Seven Olives“ Tisch und bekamen gesagt, dass der Shuttle draußen stünde. Auf unser Gepäck mussten wir nicht lange warten und auch den Shuttle fanden wir sofort. Wir fuhren etwa 20 Minuten vom Flughafen bis zum Hotel und genossen den Blick aus dem Fenster. Die bergige Landschaft faszinierte uns. Für den Shuttle-Service zahlten wir pro Person 60 birr. Im Hotel angekommen, bezogen wir unsere Zimmer und trafen uns dann auf der Terrasse, zur weiteren Planung. Wir saßen kaum, da hatten waren wir schon in Gesellschaft eines Guides. Er machte uns Vorschläge und war etwas beleidigt, dass wir das erst noch einmal überdenken wollten (die Preise erschienen uns sehr hoch und ich fand den Menschen einfach unsympathisch). Wir wanderten also erst einmal auf den Hügel, der direkt ans Hotel angrenzt und genossen die fantastische Aussicht über Lalibela und seine Umgebung sowie den bald darauf folgenden Sonnenuntergang. Ich kann das kaum beschreiben. Es war ein Gefühl der Freiheit und Urlaubsstimmung. Auf dem Rückweg wurden wir uns einig, dass wir den aufdringlichen Guide nicht für uns haben wollten. Wenn wir gedacht hatten, unsere Übereinstimmung würde den Rest vereinfachen, so sollten wir eines Besseren belehrt werden… Der arrogante, unsympathische Guide erwartete uns schon auf der Terrasse. Wir teilten ihm mit, dass wir ihn nicht als Guide wollten. Anstatt unsere Entscheidung zu akzeptieren und zu gehen, setzte er sich zu uns und bequatschte uns. Irgendwann bestellten wir dann etwas zu Essen und baten ihn freundlich und durch die Blume, zu gehen.  Das tat er dann auch…., um kurz darauf mit einem Freund wiederzukommen, den er uns als Guide vorstellte. Wir sagten ganz klar, dass die Vorschläge unsere Preisvorstellungen überschritten. Daraufhin meinte der Freund, er würde uns ein besonderes Angebot unterbreiten, wir sollten sagen, was wir sehen wollten. Wir berichteten und der Freund wollte uns gerade ein Angebot machen, als sich der arrogante Guide einmischte und intervenierte. Irgendwie schafften wir es dann doch, ihn loszuwerden und nur noch mit dem Freund zu verhandeln. Wir kamen dann auch ins Geschäft. Melsie ist sehr sympathisch, spricht gut Englisch und lag mit seinen Preisvorschlägen deutlich unter den anderen Angeboten. Er bot uns an, nach dem Essen mit uns in ein „tej bet“ (Honigwein Haus) zu gehen. Wir nahmen das Angebot an und trafen uns eine Stunde später am Hoteleingang mit ihm. Das Haus war ein unscheinbares Hüttchen, das wir von außen niemals als „tej bet“ erkannt hätten. Es war auch definitiv nicht auf Tourismus getrimmt. Alles sehr traditionell und es waren außer uns auch keine Frauen und keine weiteren „ferenjis“ anwesend. Der tej schmeckte hierdeutlich besser als in Hossana, was wohl daran liegt, dass er hier nicht noch mit Zucker gesüßt wird. Wir tranken jeder ein kleines Glas (reagenzformartig, man könnte es auch für eine Blumenvase halten ? -> genauere Beschreibung demnächst bei der äthiopischen Küche). Für uns war klar, dass wir Melsie einladen würden. Umso begeisterter waren wir, als er sein Geld zückte. Immerhin schien es für ihn nicht selbstverständlich, dass wir ihn einluden. Er nahm die Einladung dankend an (diese 5 birr machten uns dann auch nicht ärmer ? ). Auf dem Rückweg kauften wir jeder noch eine Flasche Wasser für unseren morgigen Ausflug und kamen mit Kids ins Gespräch, die darauf hofften, dass wir bei ihrem Lotteriespiel mitmachten. Stattdessen machten wir Fotos, worüber sie sich aber ebenso freuten.
Die Innenstadt Lalibelas ist übrigens gepflastert und das Seven Olives Hotel liegt direkt in der Innenstadt. Es ist kein Luxushotel und die Preise des Restaurants sind (Preisleistungsverhältnis) überteuert, aber es ist nett gelegen und verfügt über fließendes kaltes und warmes Wasser.

Montag, 6. April   Lalibela

Heute Morgen klingelte um 6.30 Uhr der Wecker. Um 7 Uhr traf ich mich mit Yvonne und Anja zum Frühstück. Um 7.30 Uhr sollte es mit Melsie und Maultieren zur Kirche „Asheten Maryam“ gehen. Erstaunlicherweise war Melsie auf die Minute pünktlich (für äthiopische Verhältnisse eher ungewöhnlich), allerdings brauchte unser Frühstück länger, so dass wir erst um 7.45 Uhr loskamen. Draußen warteten schon unsere Maultiere mit unseren Maultiertreibern auf uns. Wir schwangen uns auf die Rücken der Tierchen und machten uns auf den Weg. Schon nach kurzer Zeit meinte Anja: „Bin ich froh, dass ihr mich davon überzeugt habt, nicht zu Fuß zu wandern…!“. Nicht nur, dass der Weg steil und ganz schön weit war, das Geröll machte das Laufen nicht einfacher und es war trotz der relativ frühen Uhrzeit schon recht heiß. So konnten wir völlig unbeschwert die Landschaft genießen. Deshalb waren wir ja hier (die Kirche selbst soll sich laut Reiseführer gar nicht lohnen, wir wollten sie auch gar nicht besichtigen). Völlig unbeschwert war der Ritt für mich übrigens nicht, hatte ich ein Tierchen erwischt, das definitiv selbstmordgefährdet war. Das Viech ist so nah am Abgrund marschiert, dass mein Treiber nicht mehr daneben gepasst hat. Ein Fehltritt und ich wäre zusammen mit dem Tier in die Tiefe gestürzt. Anja, die hinter mir ritt, wurde schon etwas flau. Ich fand es eigentlich ganz lustig, war ich mir doch ziemlich sicher, dass mein Maultiertreiber alles für sein Tier tun würde ?. Einen kleinen Abschnitt bis zum Zwischenstopp mussten wir zu Fuß zurücklegen, da es so steil hinauf ging, dass es für die Tiere zu beschwerlich geworden wäre. Wir japsten uns einen ab, während uns ein Äthiopier überholte, der eine Kiste mit Softdrinks auf der Schulter transportierte und schon den gesamten weg zu fuß zurückgelegt hatte. Frustrierend. Am Zwischenstopp angekommen, tranken wir erst einmal Wasser (die gerade hochtransportieren Getränke wurden uns zum Kauf angeboten, aber wir lehnten das Zuckerwasser ab).  Wir boten auch unseren Guides zu trinken an, aber sie lehnten ab, da sie fasteten…
Nachdem wir uns etwas ausgeruht, den Blick über das Tal genossen und ein paar Fotos gemacht hatten, setzten wir die Strecke auf dem Rücken der Maultiere fort. Wir kamen an Bauern vorbei, die ihre Felder pflügten. Hier ist alles trocken, auch die wohl recht gute Bewässerungsanlage schaffte es nicht, die Felder ausreichend zu bewässern (so erzählte uns Melsie). Die Felder sind durch Steine getrennt, die die Eigentumsgrenze markieren. Etwas unterhalb der Kirche mussten wir abermals absteigen, da der Weg für die Tiere zu eng wurde. Wir gingen mit Melsie alleine weiter und genossen (bis auf Anja, die unter Höhenangst litt) die Aussicht. Letztendlich entschieden wir uns dann doch, den Eintritt von 50 birr für die Kirche zu zahlen, wo wir schon einmal dort waren. Es war ganz nett, aber so richtig gelohnt hat sich der Besuch dieser Felsenkirche wirklich nicht. Es reicht, wenn man den Weg der Landschaft wegen macht (da hatte der Reiseführer absolut Recht).
Nach der Besichtigung traten wir den Rückweg an, bei dem wir deutlich mehr selber gelaufen sind als beim Aufstieg. Es war so steil und rutschig, dass die Tiere Schwierigkeiten gehabt hätten, uns sicher zu transportieren. Wir mussten schon aufpassen, dass wir nicht ausrutschten. Wäre das geschehen, wäre ein Absturz in die Tiefe wahrscheinlich gewesen. Völlig durchgeschwitzt und k.o. kamen wir gegen 13.00 Uhr wieder am Hotel an. Wir verabredeten uns mit Melsie für 13.30 Uhr am Eingang des Hotels. Wir zogen uns kurz um und entschieden währenddessen, dass eine halbe Stunde fürs Mittagessen vielleicht doch etwas zu eng bemessen sei. Wir wollten Melsie eine Nachricht zukommen lassen. Stattdessen rief der Junge, dem wir die Nachricht ausrichten wollten einen anderen Jungen, der rief wiederum etwas und plötzlich stand Melsie vor uns… Sehr beeindruckend, wie das ohne Telefon funktionierte… Wir gingen dann ins „unique“ Restaurant, wo wir günstig und lecker „fasting Injera“ aßen. Dort trafen wir dann auch noch andere Touristen und wurden zu einer Kaffeezeremonie des Hauses eingeladen. Mittlerweile hatte es etwas zu regnen angefangen, so dass wir schnell vor dem Treffen mit Melsie noch Regensachen holten. Kurz darauf ging es zum Eingang der Felsenkirchen. Da man für Filmaufnahmen zusätzlich zu den 200 birr Eintritt noch 100 birr zahlen sollte, habe ich meine Videokamera einschließen lassen.
Lalibela wird auch als das „Neue-Jerusalem“ bezeichnet. Der ursprüngliche Name des Ortes war Roha. Der bedeutendste Herrscher war König Gebra Masqal Lalibela (1167 – 1207, Mitglied der Zagwe-Dynastie), auf den die Errichtung der Kirchen in Roha zurückzuführen sind. Roha wurde ihm zu Ehren umbenannt und König Lalibela selbst wurde zum Heiligen der äthiopischen Kirche ernannt. Im 12. Jahrhundert entstand um Lalibela herum das Königreich Äthiopien nach dem Zusammenbruch des Reichs von Axum.
Der Ort Lalibela ist weltweit für die monolithischen elf Kirchen, die – überwiegend mehrgeschossig – in rote Basaltlava gemeißelt sind, bekannt. König Lalibela ließ die elf Kirchen jeweils als Ganzes aus der umgebenden Felsformation herausarbeiten, jeweils bis zu 800 m² groß und zehn Meter hoch. Diese Gebäude gelten als die größten von Menschen geschaffenen monolithischen Strukturen der Welt. Die Kirchen werden auch als Symbol für die enge Verbundenheit der äthiopischen Christen mit dem Heiligen Land verstanden. Heute zählen diese Kirchen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Lalibela hat eine lange christliche Tradition der äthiopisch-orthodoxen Kirche und wird fast ausschließlich von äthiopisch-orthodoxen Christen bewohnt. Die Stadt ist ein Wallfahrtsort für viele Christen.
Die Kirchen können in zwei Gruppen unterteilt werden. Die eine Gruppe liegt nördlich und die andere Gruppe südlich des Jordan Flusses. Zur ersten Gruppe (nördlich des Flusses) gehören die Kirchen „Bet Golgotha“, „Bet Debre Sina“, „ Bet Maryam“, „Bet Meskel“, „ Bet Danaghel“ und „Bet Medane Alem“. Bet Medane Alem ist die größte dieser Felsengruppen und vollkommen von quadratischen Pfeilern umgeben.  Insgesamt 28 rechteckige Säulen stützen das Dach im inneren der Kirche. In einer Ecke der Kirche sieht man drei leere Gräber. Sie wurden angeblich als Symbol für Abraham, Isaak und Jakob ausgehoben.
Die Kirche „Bet Giyorgis“ liegt zwar ebenfalls nördlich des Jordan, aber wesentlich weiter im Westen und etwas abseits der anderen Kirchen. Sie liegt auf einer schrägen Felsterrasse und wurde in einem tiefen Schacht mit steilen Wänden errichtet. Sie ist auf einem dreistufigen Sockel errichtet und besitzt die Form eines griechischen Kreuzes.
Die Giyorgiys Kirche wird auch als 8. Weltwunder bezeichnet.
Zu den Kirchen der zweiten Gruppe zählen „Bet Gabriel-Raphael“, „Bet Marqorewos“, „Bet Emanuel“ und „Bet Abba Libanos“.
Ich verzichte an dieser Stelle darauf, näher auf die Felsenkirchen einzugehen, da es den Rahmen meines Berichtes sprengen würde. Wer dennoch Interesse daran hat, kann sich gerne an mich wenden oder im Internet nachlesen.
Nach der Besichtigung der elf Felsenkirchen setzten wir uns in ein Café und tranken leckeren „Sprees“ (mixed juice). Anschließend gingen wir ins Hotel und von dort aus ins Restaurant „chez Sophie“. Auf dem Weg dorthin begann es, aus Eimern zu schütten. Gut, dass der Weg nicht soweit war. Die Küche des Restaurants lag außerhalb… die arme Kellnerin war nach kürzester Zeit völlig durchnässt. Da ich mich entschieden hatte, bereits morgen schon nach Axum zu fliegen (ich hatte in Lalibela alles gesehen, was ich sehen wollte und hatte mehr Geld ausgegeben als ursprünglich für Lalibela vorgesehen), rief ich bei Ethiopian Airlines an und buchte für 100 birr meinen Flug um, während wir auf das Essen warteten. Eigentlich waren wir um 20 Uhr mit Melsie verabredet, allerdings goss es da noch so stark, dass wir einen etwas weniger heftigen Moment abwarteten und dann zum Hotel rannten, um Regensachen zu holen. Auf dem Weg trafen wir Melsie, der in einem kleinen Shop untergekommen war, so dass wir kurz Bescheid geben konnten. Anschließend gingen wir mit Melsie noch einmal in das „tej bet“, dieses Mal wurden wir von einem anderen Guide und zwei ferenjis aus England begleitet. Da die Engländer gerade aus Gondar und Axum kamen, holte ich ein paar Reisetipps ein. Auf Grund des Regens blieben wir länger als ursprünglich geplant und tranken zwei der großen Gläser tej. Es war ein sehr netter Abend.

Dienstag, 7. April      Lalibela – Axum

Heute Morgen stand ich um 6.30 Uhr auf, zahlte mein Zimmer und machte mich dann auf den Weg zum Eingang der Felsenkirchen, um meine Videokamera am Ticketoffice abzuholen (gestern hatte das Office schon geschlossen als wir mit der Besichtigung fertig waren).  Auf dem Weg kamen mir Anja und Yvonne entgegen, die zu einem Gottesdienst gegangen waren. Wir verabschiedeten uns. Um 7.30 Uhr fuhr ich mit dem Shuttle zum Flughafen. Mein Flieger sollte um 10 Uhr gehen. Aufgrund eines Motorschadens verzögerte sich der Abflug allerdings um zwei Stunden, so dass ich die Engländer von gestern Abend wieder traf, die heute nach Addis zurückfliegen. Sehr nett. Um 13.10 Uhr erreichte ich Axum. Am Flughafen waren wieder Tische der Hotels aufgestellt und der Shuttle stand vor dem Gebäude bereit. Die Fahrt dauerte nicht lange und kostete auch nichts. Ich hatte die ganze Zeit eine männliche Begleitung, die sich als Guide herausstellte. Wie praktisch. Ich verabredete mich mit ihm für 14 Uhr im Hotel. Im „Exodus“Hotel angekommen, wurde mir mitgeteilt, dass wir bis heute Abend keinen Strom hätten (na, ist ja mal ganz etwas Neues ?). Das Zimmer war sehr nett. Ich ruhte mich ein bisschen aus und ging dann hinunter in die Empfangshalle.
Bereits in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung war das Reich von Axum eine bedeutende Macht. Axum lag an wichtigen Handelswegen zwischen Ägypten und dem Süden. Über den am Roten Meer gelegenen Hafen importierte man Waren aus Indien, aber auch der Handel mit Schwarzafrika blühte. Im 4. Jahrhundert nahm der axumitische König das Christentum an, seit dieser Zeit ist Axum das religiöse Zentrum Äthiopiens.
Wichtigster Besichtigungspunkt in Axum ist der Stelenpark. Die höchste noch stehende Stele misst über 20 Meter, ferner kann man eine 33 Meter hohe umgestürzte Stele betrachten. Offenbar stammen diese noch aus der vorchristlichen Zeit. Die Fassaden zeigen Stockwerke mit nachgebildeten Türen und Fenstern, in ihrem Aussehen ähneln sie Hochhäusern. Verbindungen zum Jemen werden vermutet, wo es ähnlich aussehende Wohnhäuser noch heute gibt.

Dawid, der Guide, kam kurz darauf. Seine Preisvorstellungen übertrafen meine deutlich, so dass ich ihm sagte, heute wolle ich alleine auf Tour gehen. Netterweise setzte er mich bei den Stelen ab und ich bezahlte den Eintritt für ID Besitzer von 4 birr. Zuerst besichtigte ich das archäologische Museum, das sich auf demselben Gelände befindet. Für die Stelen nahm ich mir keinen Guide. Nach der Besichtigung der Stelen traf ich draußen auf einen Jungen, der mir Sachen verkaufen wollte. Ich fragte ihn, was ich mir seiner Meinung nach unbedingt ansehen sollte. Er nannte mir Sehenswürdigkeiten und ich fragte ihn (da sein Englisch sehr gut war und er den Eindruck machte, viel  über die Geschichte Axums zu wissen), was er verlangen würde, wenn ich ihn als Guide anheuerte. Er meinte, es sei mir überlassen. Also machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Zuerst führte er mich an weiteren Stelen und der alten Ortsmitte Axums vorbei, zum „Bad der Königin von Saba“. Es handelt sich hierbei um ein riesiges Wasserbecken, das aus einem einzigen Stein gehauen wurde. Heute dient das Bad der Wasserversorgung des Dorfes. Zum Timket-Fest bildet es außerdem einmal im Jahr den Mittelpunkt, wenn – in feierlicher Prozession – eine Nachbildung der Bundeslade dorthin getragen wird.
Wir machten uns weiter auf den Weg zum Doppelpalast von Kaleb und Gebre Masqal. Auf dem Weg dorthin passierten wir ein  kleines Steingebäude, das zum Schutz der Stele des Königs Ezana erbaut wurde. Die Inschrift der Stele ist in den drei Sprachen Ge’ez, Altsüdarabisch und Griechisch verfasst. Wir liefen insgesamt etwa 2 km, bis wir den Doppelpalast erreichten. Ich war ein wenig außer Atem und hatte leichte Kopfschmerzen, da ich viel zu wenig getrunken und keine Wasserflasche bei mir hatte. Auch die Ausgrabungen des Doppelpalastes wurden von der UNESCO zum Schutz überdacht. Der Wächter zeigte mir die Ausgrabungsstätten und erzählte mir über die Geschichte und darüber, dass der Doppelpalast  der Königin Gwudit, die Axum zerstört haben soll,  zum Ofer wurde. Er nahm sich viel Zeit und beantwortete alle meine Fragen. Die Steine für den Palastbau wurden von Elefanten transportiert. Es handelt sich um große und dicke Platten. An einigen Stellen der Ausgrabungen finden sich Zeichen, die darauf hinweisen, dass sich unterhalb noch weitere Räume befinden.
Auf dem Rückweg kamen wir an dem Millennium Park vorbei. Zum Millennium – so wurde mir berichtet – sollte in ganz Äthiopien pro Einwohner ein Baum gepflanzt werden.
Wir setzten unseren Fußmarsch fort. Wir gingen durch kleine Gässchen und ich schüttelte einmal mehr Tausenden von Kindern die Hand (ich bin mir sicher, dass hier sonst keine Touristen vorbei kommen ?). Die Häuschen hier sind übrigens fast alle aus Steinen gebaut, nur vereinzelt sind Lehmhütten zu sehen. Wir liefen über Felder, sahen viele Dromedare und Kamele, bis wir letztendlich den „Palast der Königin von Saba“  (oder auch Taakha Marya genannt) erreichten. Eigentlich war das Tor schon geschlossen, aber gegen ein kleines Trinkgeld wurde mir der Eintritt doch noch gewährt und mir wurden die einzelnen „Räume“ und die „Wasserleitung aus Stein“ der Ausgrabungsstätte gezeigt und erklärt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich weitere Stelen, unter denen sich angeblich auch das Grab der Königin von Saba befinden soll. Da es langsam dämmerte, machten wir uns auf den Rückweg. Wir hatten noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen. Mein Weggefährte fragte mich, ob ich schon einmal „Tella“ (äthiopisches Bier) probiert hätte. Als ich verneinte, fragte er mich, ob wir noch kurz in ein „tella bet“ gehen wollten. Ich nahm das Angebot an. Wir schlenderten erneut durch kleine Gässchen, weitab vom Tourismus. Schließlich kamen wir an ein Häuschen, vor dessen Eingang ein Schild  darauf hinwies, dass dies ein „tella bet“ sei. Wir betraten das Grundstück. Wie erwartet, verliefen sich hier keine Touristen hin. Ich war als ferenji die Attraktion, bekam sofort einen Platz angeboten und es dauerte keine Minute, bis ich mein erstes „tella“ in einem Holzbecher und mit einer aufgeschnittenen Metalldose serviert bekam. Die Dose diente als Ständer, wenn ich den Holzbecher absetzen wollte. Auch hier war ich – neben der Frau, die das Bier zubereitete und ausschenkte – die einzige Frau. Aber das schien niemanden zu stören. Neben meinem kleinen Guide gab es allerdings nur noch eine Person, die gebrochen Englisch sprach. Mein Guide übersetzte also ein bisschen. Als ich gefragt wurde, ob mir „tella“ schmecken würde, musste ich der Höflichkeit halber ein wenig schwindeln. Ich mochte es genauso wenig wie das alkoholfreie Getränk Karibo. Ich denke, es ist das Pendent dazu, nur eben auf Alkoholbasis. Ich trank den Becher aus und nachdem ich noch ein paar Fotos geschossen und unsere 3 tella (mein kleiner Guide hatte in der Zeit, in der ich eines herunter gebracht habe, gleich zwei getrunken – Geschmäcker sind eben verschieden ?) bezahlt hatte, bedankte und verabschiedete ich mich. Mein kleiner Guide führte mich zur Hauptstraße zurück und dann sollten sich unsere Wege trennen. So ganz egal war ihm dann die Bezahlung für seine Dienste als Guide doch nicht. Aber da er den ganzen Tag und mehrere Kilometer mit mir zurückgelegt und mir viel erzählt hatte, sind 40 birr schon ok gewesen. Für einen professionellen Guide hätte ich definitiv mehr hinblättern müssen. A propos. Auf dem Weg zurück in die Stadt rief mich mein Guide an. Er wolle mich im Africa Hotel treffen. Da ich dort ohnehin Abendbrot essen wollte, bot sich das an. Unterwegs traf ich dann noch unseren Hotel-Guide. Von ihm erfuhr ich, dass er ein wenig enttäuscht sei, da es sein Job sei, sich als Guide um mich zu kümmern. Er fragte, woher ich den anderen Guide kennen würde, dass er mich extra am Flughafen abgeholt hätte. Ich teilte ihm mit, dass mir Dawid gänzlich unbekannt sei, ich dachte, das hätte alles seine Richtigkeit. Ich teilte dem Hotel-Guide mit, was ich bisher gesehen hätte und er fragte, ob ich mit ein paar anderen ferenjis morgen zum Yeha-Tempel fahren wolle, er könnte das organisieren. Gesagt getan. Wie sich später beim Treffen mit Dawid herausstellte, hatte Dawid von unserem Guide in Lalibela meine Telefonnummer und meine Flugzeit durchgesagt bekommen. Ich teilte Dawid mit, dass meine Planung für den morgigen Tag bereits feststünde und ich ihn folglich als Guide nicht bräuchte. Daraufhin verschwand er und ich bestellte mir „fasting injera“. Als ich fertig war, bemerkte ich, dass die beiden Frauen am Nachbartisch keine Karte hatten, während bei mir noch eine lag. Ich sprach sie auf Englisch an und wurde gebeten, langsamer zu sprechen. Daraufhin fragte ich, woher sie kämen und wechselte nach der Antwort zum Deutschen. Sie baten mich, ihnen Gesellschaft zu leisten und so kam es, dass wir uns eine ganze Weile unterhielten. Am Ende stellte sich heraus, dass die eine der beiden Frauen die Cousine von Stephis Freunden (Nathalie und Stefanus aus Addis, mit denen wir neulich gerade erst gegrillt hatten) war. Sehr witzig. Gegen 22.00 Uhr machte ich mich zu Fuß auf den Weg zu meinem Hotel und fiel erschöpft ins Bett. Morgen geht es um 7.30 Uhr los, so dass ich vorher gefrühstückt haben muss.

Mittwoch, 8. April   Axum – Yeha Tempel – Axum

Um 6.30 Uhr stand ich auf und saß um 7 Uhr am Frühstückstisch. Da das Servieren des Frühstücks bis um kurz vor halb acht dauerte, bat ich die Kellnerin, mir eine Plastiktüte zubringen, damit ich mein Brot einpacken könne. Den Tee und den Saft trank ich schnell aus und setzte mich danach auf die Veranda des Hotels und wartete. Zehn Minuten vergingen, 20 Minuten vergingen. Ich bewahrte die Ruhe. So ist das hier eben öfter. Zeit ist hier relativ. Letztendlich kam der Minibus dann um 8.30 Uhr. Wir fuhren in Richtung Adwa und hielten unterwegs, um Fotos zu machen. Die Strecke bestand überwiegend aus einer „rough road“, so dass die Fahrt fast zwei Stunden dauerte. Unterwegs sahen wir abermals viele Kamele und Dromedare, die vor Häusern lagen oder bepackt verschiedene Dinge transportierten. Wir hielten ab und zu an, um die beeindruckende Landschaft des Hochlandes zu fotografieren. Wir besichtigten den „Yeha Tempel“. Die Überreste des Tempels bestehen aus einem rechteckigen Grundriss. Die ca. 10 Meter hohen Wände sind fensterlos und wurden aus Steinen von einer Länge bis zu 3 m errichtet. Neben der Ruine des Tempels steht eine moderne Kirche. An der Frontseite sind Steine des alten Tempels eingearbeitet. Sie sind mit Reliefs von Steinböcken geschmückt. Ein Priester erzählte uns, dass seine Vor- und Vorvorfahren hier auf dem Friedhof beerdigt seien.
Gegen 13 Uhr waren wir wieder im Hotel. Leider hatte ich kein Netz, so dass ich die Fluggesellschaft nicht erreichen konnte – ich wollte meinen Aufenthalt in Axum verkürzen. Ich machte einen kurzen Mittagsschlaf und erreichte die Fluggesellschaft dann doch noch. Allerdings teilten sie mir mit, dass alle Flüge ausgebucht seien. Na super. Was soll ich denn jetzt noch zwei Tage in Axum anstellen? Ich entschied mich kurzerhand eine „Hotel-Tour“ zu machen, um herauszufinden, ob es nicht Leute gibt, die mit dem Auto nach Gondar führen. Unterwegs begann es zu regnen. Im Africa-Hotel teilte mir ein Guide mit, dass es ein englisches Pärchen gäbe, das morgen mit dem Auto nach Gondar führe. Er stellte mich der Frau (etwa in meinem Alter) vor. Wir kamen ins Gespräch und sie meinte, wir sollten heute Abend zusammen essen, bis dahin hätten sie das Auto gepackt und könnten sehen, ob sie Platz für mich hätten. Ich überbrückte die Zeit, um im Internetcafé meine Fotos auf meinen Stick zu ziehen. Anschließend bestellte ich mir in einem kleinen Café eine Teigtasche mit Linsen. Sehr lecker. Da der Regen nicht aufhörte, lief ich hinüber zum Africa Hotel. Dort war es proppenvoll. Auch die Engländer, mit denen ich heute Vormittag am Yeha-Tempel war, waren dort. Ich setzte mich zu ihnen – der Zufall wollte es, dass auch die Engländer, die mit dem Auto nach Gondar fahren, an demselben Tisch saßen. Wir unterhielten uns lange, tranken ein paar Bierchen und bestellten letztendlich das Abendessen. Emma und Niels meinten, ich könne mit ihnen nach Gondar fahren, aber sie wüssten noch nicht, ob sie nicht eine Übernachtung im Semien-Nationalpark einschieben würden. Ich sagte, das mache mir nichts aus und somit war alles abgemacht. Morgen früh wollen wir gemeinsam um 6.30 Uhr im Africa Hotel frühstücken und dann losfahren. Die Taxifahrt zurück zum Hotel sollte mich 20 birr kosten (auf der Hinfahrt hatte ich 5 birr bezahlt…), letztendlich handelte ich den Fahrpreis auf 2 birr herunter. Gegen 23 Uhr war ich im Hotel und knipste bald darauf das Licht aus.

Donnerstag, 9. April    Axum – Semien Mountains – Gondar

Um 4.50 Uhr klingelte mein Wecker. Ich duschte, rutschte aus und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zerbrach mein eines Brillenglas. Es überraschte mich selbst, wie ruhig ich dabei blieb. Natürlich hat es mich geärgert, aber es ließ sich nun einmal nicht mehr ändern. Wie gut, dass ich selten ohne Ersatzbrille reise. Ich packte meine Sachen, zahlte die Hotelrechnung und nahm um 6.15 Uhr ein Dreiradtaxi zum Africa Hotel. Emma, Niels und ich frühstückten gemeinsam und um 7.15 Uhr fuhren wir in Richtung Gondar. Die „rough road“ führte am Palast der Königin von Saba vorbei. Wir sahen wieder viele Dromedare, die mit ihrem Treiber die Straße entlang liefen. Irgendwann kamen wir an eine Baustelle. Wir warteten und warteten, aber der Bagger baggerte unerlässlich weiter, ohne uns auch nur einen Teil seiner Aufmerksamkeit zu schenken. Der Treiber mit seinen Dromedaren blieb neben uns stehen. Nach einiger Zeit des Wartens näherten sich von vorne zwei public transporte. Sofort stellte der Bagger sein Schaufeln ein und machte Platz. Nun konnten auch wir die Baustelle passieren. Unterwegs kamen wir an vielen Kids vorbei, die uns zuwinkten. Die Winkhaltung veränderte sich oftmals sehr schnell in eine Bettelhaltung als uns sahen. Wir erreichten die ersten Ausläufer der Semien Mountains. Die Erde nahm eine rote Farbe an, die Landschaft war sehr trocken und an den Straßenrändern standen vereinzelte tote Akazien. Die Straße schlängelte sich in Serpentimen durch das Gebirge. Wir hatten einen wunderschönen Blick auf die Berge und einen weiten, sehr faszinierenden Blick auf die Täler. Erneut breitete sich das Gefühl von grenzenloser Freiheit in mir aus und ein wenig erinnerte mich die Landschaft an den Grand Canyon in den USA. Der höchste Punkt Äthiopiens, der Ras Dashen, befindet sich in den Semien Mountains. Nach einer Weile bezog sich der Himmel und ein Schleier von Dunst und Nebel legte sich über die Berge und Täler. Es war sehr eindrucksvoll. Während der Fahrt unterhielten wir uns und hörten dabei Musik. Es war eine sehr angenehme Fahrt. Emma und Niels erzählten von ihrer einjährigen Leitung eines Bush-camps in Botswana und von ihrer Fahrt von Cape Town bis nach Äthiopien, die sie über den Sudan und Ägypten bis zum UK fortsetzen werden. Gegen 13 Uhr entschieden wir uns, bei nächster Gelegenheit eine Mittagspause einzuschieben. Diese Gelegenheit ergab sich dann auch zwei Stunden später, im Bereich des Semien Mountain National Parks. Es regnete immer noch, so dass wir erst einmal essen wollten, bevor die Entscheidung des Bleibens oder der Weiterfahrt gefällt werden sollte. Eine Stunde später war es dann soweit. Wir entschieden uns, die Nacht nicht im National Park zu verbringen, sondern direkt nach Gondar zu fahren. Gegen 18 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht. Wir kamen direkt an dem auf dem Berg gelegenen Goha-Hotel vorbei, von dem aus man einen wunderschönen Blick über Gondar hat. Wir fuhren mehrere Hotels an, die aber nicht Emmas und Niels Preisklassen entsprachen. Letztendlich gelangten wir zur „Belegez Pension“, einem sehr netten kleinen Grundstück. Die Zimmer waren alle um einen kleinen Innenhof gelegen. Niels und Emma durften in ihrem Zelt auf dem Land Cruiser schlafen, während ich eines der Einzelzimmer bezog. Es war die günstigste und niedlichste Unterkunft während meiner Reise. Von der Pension bis zur Innenstadt sind es 5 Geh-Minuten und dennoch liegt sie sehr ruhig. Auch die Orthodoxen und der Muezin waren nicht zu hören.
Wir machten noch einen Spaziergang in die Innenstadt und tranken in der sehr nett eingerichteten Europa Bar einen Wodka-Tonic, Havanna Club und ein Dashen Bier. Die Stadt Gondar litt heute unter Stromausfall, aber wir fanden ein mit Solar-Strom betriebenes Restaurant und aßen dort Abendbrot. Gegen 22 Uhr waren wir zurück.
Gondar (oder auch Gonder) ist die Hauptstadt der Region Amhara. Von Kaiser Fasilidas gegründet, war Gondar von 1636 bis 1855 die erste permanente Hauptstadt Äthiopiens seit den antiken Zeiten von Axum und Lalibela. Als alte Kaiserstadt gehört Gondar zu den religiösen Zentren Äthiopiens.
In Gondar findet sich neben Schlössern und zahlreichen Kirchen auch die „Dashen-Brauerei“. Es ist nicht geklärt, wer die Baumeister der Schlösser waren, doch es werden portugiesische, indische und maurische Einflüsse vermutet. Die meisten Bauten von Gondar blieben trotz des Bombardements der Briten im Befreiungskampf von 1941 erstaunlich gut erhalten.

Freitag, 10. April   Gondar

Um 7 Uhr standen wir auf und gingen zum Frühstück in die „Tele Bar“ am Piazza. Ich bestelle „Normal Full“, was das genau ist, kann ich nicht sagen, aber es war recht scharf und sehr lecker. Die Gerichte und Getränke waren hier sehr preisgünstig. Wir bestellten uns alle drei einen gemischten Saft und einen Makjato. Viele Kinder kamen zu uns, um uns Kaugummis, Lotterielose, Taschentücher, etc. zu verkaufen. Ein kleines Straßenkind kam alleine, setzte sich auf einen Stuhl und bekam einen Tee (1 birr) serviert. Seine Anziehsachen waren zerrissen und kaputt. Es hatte einen 1-Birr-Schein in der Hand, den es unter seinen Po schob, als es sich auf den Stuhl setzte. Es bettelte nicht und sprach mit niemandem. Wir hatten uns vorgenommen, ihm den Tee zu bezahlen. Aber dazu sollte es leider nicht kommen. Das Kind war schneller weg, als dass wir reagieren konnten.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf dem Weg zum Gemp. Wir machen im Palast des Königs Fasilidas eine kleine Fotosession für Niels Webpage und auf dem Rest des Geländes viele weitere Fotos sowie ein paar Spaßaufnahmen. So entstand auch das Foto von mir im Löwenkäfig. Es war gar nicht so einfach, dort hinein zu kommen, das Türchen war ganz schön klein. Anschließend gingen wir noch einmal zum „Tele Café“, nutzen die Toilette und kauften Wasser. Dann marschierten wir zum „Bad des Fasilidas“. Unterwegs gesellte sich ein Junge zu uns, der nur gebrochen Englisch sprach. Er meinte, sein Vater würde im „Bad des Fasilidas“ arbeiten, er könne uns den Weg zeigen. Wir wollten das gar nicht und teilten ihm auch sogleich mit, dass er von uns kein Trinkgeld bekäme. Das schien ihn nicht zu stören und so begleitete er uns (d.h. eigentlich eher Niels, denn Emma und ich redeten kaum ein Wort mit ihm). Als wir das Bad des Fasilidas endlich erreicht hatten, ging unsere Begleitung auch Niels auf die Nerven, was wir daran merkten, dass Niels nur Non sense mit ihm sprach und er es nicht einmal blickte. Auch am Eingang ließ sich unsere Begleitung nicht abwimmeln. Niels, der ziemlich gut Deutsch spricht, fragte mich, was wir tun könnten, um unsere Begleitung loszuwerden. All unsere Versuche scheiterten.
Das Gebäude wurde in einer von Mauern eingefassten Vertiefung errichtet. Anlässlich des Timket-Festes wird das Becken einmal jährlich mit Wasser gefüllt. Die Mauern waren mit Bäumen bepflanzt, deren Wurzeln enorm waren. Wir machten ein paar Fotos und da es dann anfing zu tröpfeln, stellten wir uns unter. Wir entschieden uns dann allerdings doch recht schnell, trotz des Regens weiter zu gehen, unsere Begleitung ging uns nämlich zunehmend auf die Nerven. Wir besichtigten die Ruine eines kleinen Pavillons, welcher angeblich das einstige Mausoleum für ein Pferd des Kaisers Fasilidas war. Unser Weggefährte begleitete uns auch auf dem Rückweg und war etwas enttäuscht, dass wir ihm tatsächlich kein Trinkgeld zahlten. Emma und Niels holten am Automaten Geld, der sogar Mastercard akzeptierte. Anschließend setzten wir uns ins „Tele Café“ und tranken einen Tee. Ich trank Gingertee, sehr lecker. Danach gingen wir zur Pension, um Niels‘ Fotoausrüstung und unsere Regensachen zu holen. Wir entschieden uns dann, oberhalb des Tele Cafés Mittag zu essen. Von dort hatten wir einen tollen Ausblick auf die Piazza. Wir beobachteten die Leute auf der Straße, bis unsere Cheesburger kamen (eigentlich wollten wir Pizza essen, aber da es keinen Strom gab, gab es auch keine Pizza). Anschließend nahmen wir uns ein Tuktuk und fuhren zur „Debre Birhan Selassie“ Kirche. Sie liegt etwas erhöht außerhalb der Stadt. Dort angekommen mussten wir noch warten, bis die Prozession beendet war. Die Kirche ist recht klein, aber die Malereien sind sehr eindrucksvoll. Die Decke ist mit wunderschönen Engelsgesichtern bemalt. Die Wände sind mit Gemälden verziert, die biblische Szenen darstellen. Heilige und Märtyrer sind zu sehen, ebenso wie das Leben Jesu  und das der Mutter Maria. Eine kleine deutschsprachige Gruppe (die man schon am Aussehen als solche identifizieren konnte) betrat die Kirche. Das faszinierende war der Guide. Es handelte sich um einen Äthiopier, der sehr gutes Deutsch sprach. Er machte auch darauf aufmerksam, dass an der einen Wand ein Bild von Mohammed zu finden sei… .
Wir waren fast zwei Stunden in der Kirche, nicht zuletzt, weil das Fotografieren mit Blitz nicht gestattet war und Niels sein Stativ aufbaute und warten musste, bis ihm keine Leute mehr durchs Bild liefen. Wir fuhren mit dem Tuktuk zurück und während Emma und Niels das Internet nutzten, ging ich zur Post und danach ins Circle Hotel. Ich wollte in Erfahrung bringen, wie ich von Gondar aus nach Bahar Dar käme. Mir wurde ein Minibus angeboten, der mich am nächsten Morgen um 8.30 Uhr an der Pension abholen würde. Perfekt.
Ich holte Emma und Niels im Internetcafé ab und machte die Bekanntschaft mit einem Slowenen, der mit dem Motorrad von Tunesien nach Kapstadt unterwegs ist. Wir unterhielten uns eine Weile und gingen dann in die Pension, um zu duschen. Niels und ich tauschten Fotos und dann gingen wir noch einmal in die „Tele Bar“, wo wir mit Scott (einem Engländer, der Emma und Niels gern bis in den Sudan begleiten möchte) verabredet waren. Wir aßen in dem Restaurant oberhalb der Piazza Abendbrot (da es wieder Strom gab, gab es auch Pizza). Unsere Suche nach einem „tej bet“ verlief zwar erfolgreich, allerdings wollten die uns dort den vierfachen Preis abverlangen, den ich bisher bezahlt hatte, so dass wir stattdessen in eine kleine, unscheinbare Bar gingen und dort Fassbier für 3 birr bekamen. Um 23 Uhr waren wir zurück in der Pension.

Samstag, 11. April   Gondar – Bahar Dar

Um 6.30 Uhr klingelte mein Wecker. Um 7 Uhr war ich mit Emma, Niels und Scott im „Tele Café“ zum Frühstück verabredet. Ich aß noch einmal das „normal full“ und trank einen Saft. Nachdem wir gefrühstückt hatten, verabschiedeten wir uns von einander. Unsere E-Mai Adressen hatten wir bereits gestern Abend ausgetauscht. Ich winkte ihnen zum Abschied und machte mich dann auf den Weg, noch ein paar Dinge (Batterien, Toilettenpapier und Wasser) zu besorgen. Anschließend holte ich meine Sachen aus dem Zimmer und wartete an der Rezeption auf meinen Minibus. Wie so oft kam der Bus natürlich nicht um 8.30 Uhr sondern erst um 9.20 Uhr, aber das spielte für mich keine große Rolle. Ich bekam den Beifahrersitz zugewiesen. So machte ich mich mit 13 Äthiopiern auf den Weg nach Bahar Dar. Gegen 12 Uhr (ich hatte zwischendurch etwas geschlafen) erreichten wir den Busbahnhof in Bahar Dar. Ich war kaum ausgestiegen, da hatte ich schon fünf Begleiter, die mir den Weg zeigen und mich bequatschen wollten. Angeblich sei das Ghion Hotel bereits ausgebucht. Außerdem gäbe es DORT Malaria… . Ich ließ mich  nicht beirren und suchte nach einem Tuktuk. Meine Begleiter redeten mit dem Fahrer. Als ich fragte, wie teuer die Fahrt sei, meinten sie, ich solle mir keine Gedanken machen. Ich beharrte auf einer Antwort und sagte, ich wolle sofort wieder aussteigen, ich würde laufen, als sie mir den Preis von 50 birr nannten… . Sie ließen mich gar nicht raus, sondern bedrängten mich und fragten, was ich denn zahlen wollen würde. Ihrer Meinung nach seien 40 birr ein super Angebot. Ich sagte wieder, dass ich aussteigen wollte, aber die Leute waren hartnäckig. Zur Krönung wurde ich noch von einem meiner Begleiter gefragt, ob er mich küssen dürfe. Als ich verneinte meinte er, er wolle meine Nummer haben, damit wir uns treffen könnten. Die gab ich ihm natürlich nicht. Letztendlich bezahlte ich 10 birr und war – das erste Mal hier in Äthiopien – so richtig genervt. Wie schon vermutet wären 5 birr angemessen gewesen. Naja. Im Hotel gab es natürlich noch freie Zimmer. Ich musste nur ein wenig warten, da sie gerade gereinigt wurden. Der Manager war aber sehr freundlich und ich organisierte mir gleich für den Nachmittag eine Tour zu den Wasserfällen des Blauen Nils. Dann ging ich erst einmal auf die Terrasse des Hotels und setzte mich zu einer Amerikanerin, die gerade in Bahar Dar unterrichtet. Wir bestellten uns etwas zu Essen und unterhielten uns eine ganze Weile. Schließlich ging ich zum Office der Ethiopian Airlines, um meinen Flug von Donnerstag auf Dienstag vorzuverlegen. Klappte problemlos. Wieder zurück im Hotel, konnte ich mein Zimmer beziehen. Ich setzte mich auf die Veranda und wartete auf die Abfahrt zu den Wasserfällen, die für 15 Uhr angesetzt war. Ich traute meinen Augen nicht, als ich Nathalie, Stefanus und die Kids auf der Terrasse sitzen sah. Ich ging hinüber, begrüßte sie und teilte ihnen mit, dass ich Nathalies Cousine bereits in Axum getroffen hätte. Stefanus bot mir an, mich heute auf die Bootstour zu den Inseln mitzunehmen. Ich lehnte ab, da ich ja zu den Nilfällen wollte. Wir verabredeten uns zum Abendessen im Hotel. Ich ging wieder zurück zur Veranda und war immer noch die einzige, die auf die Tour wartete (mit mir sollte noch ein Pärchen mitkommen). Gegen 16.20 Uhr kamen wir dann letztendlich auch los. Die fahrt dauerte etwa 45 Minuten, da die Straßen nicht asphaltiert war. Wir kamen an vielen Leuten vorbei, die fast alle Gegenstände auf dem Kopf transportierten.
Auf Grund der späten Stunde machten wir nur die kleine Tour. Wir gingen mit unserem Guide zum Bootsanleger und setzten mit einem kleinen Nussschälchen über. Auf der anderen Seite gingen wir dann etwa eine halbe Stunde zu Fuß, bis wir die Fälle des Blauen Nils hörten und sahen. Von oben wirkten sie sehr unecht und zugleich idyllisch. Wir kletterten hinunter und standen dicht vor den Fällen. Von hier wirkten sie gigantisch. Obwohl die Fälle während oder kurz nach der Regenzeit noch voller sein sollen, war es sehr beeindruckend, mit welchem Gebrause und Getöse sie die über 40 Meter hinab geschossen kamen. Die Gischt, die dabei produziert wurde, sorgte dafür, dass wir richtig nass wurden. Es war einfach traumhaft.
Auf dem Rückweg kam ich mit unserem Guide ins Gespräch. Er meinte, ich solle noch einmal wiederkommen und die ganze Tour machen. Er erzählte, dass man mit dem public transport fahren könne und ich bräuchte nur den Eintrittspreis zahlen, er würde den Rest kostenlos anbieten. Wir tauschten unsere Telefonnummern aus.
Gegen 19.20 Uhr waren wir zurück. Ich duschte und aß dann mit Nathalie, Nathalies Bruder, Stefanus, Elias, David und Phillipp Abendbrot. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile und gegen 23 Uhr lag ich im Bett.

12. April (Ostersonntag) Bahar Dar

Um 6.50 Uhr klopfte jemand an meine Tür. Als ich öffnete, stand dort ein Hotelangestellter, der mich wissen lassen wollte, dass es schon um 7 Uhr eine Tour zu den Inseln gäbe, da heute Palmsonntag sei und dort Prozessionen beobachtet werden könnten. Ich entschied mich dennoch, die Tour wie geplant um 8 Uhr zu machen. Ich ging zum Supermarkt, um mir etwas Proviant für die Tour zu besorgen und frühstückte anschließend mit Nathalie, Stafanus und den Kids. Die Kids waren noch damit beschäftigt, ihre Ostereier zu suchen und David gab mir sogar eines seiner Eier ab. Nathalie und Stefanus gaben mir ein bemaltes Ei, total lieb. Anschließend setzte ich mich auf die Veranda und wartete auf den Beginn der Bootstour. Der Manager meinte, es würde noch eine Weile dauern und bot mir an, sein Internet zu nutzen. Das Angebot nahm ich gerne an und rief das erste Mal auf der Reise meine Mails ab. Eine wichtige Mail beantwortete ich sofort. Um kurz nach 9 Uhr starteten wir (Jörg, ein Deutscher, der von Deutschland nach Kapstadt mit dem Fahrrad unterwegs ist und ein Äthiopier, den Jörg in den Semien Mountains kennengelernt hatte) unsere Bootstour zu den monasteries. Etwa zwanzig der 37 Inseln des Tanasees beherbergen Kirchen und Klöster, die von historischem und kulturellem Interesse sind. Zahllose Schätze werden dort aufbewahrt und sie sind mit wunderschönen Gemälden verziert. Die erste der 4 Monasteries, die wir besichtigen wollten, war malerisch sehr interessant und farbenfroh gestaltet. In dem Gefängnis nebenan wurden die Leute früher in eine Furche gehängt, was der Kreuzigung sehr nahe kam. Ich habe es kurz ausprobiert (siehe Foto) es ist ziemlich schmerzvoll dort so zu hängen. Auf der zweiten Insel entschieden wir uns, uns die Monastery nur von außen anzusehen, da die Eintrittspreise enorm waren. Uns wurden gebastelte Papyrusboote angeboten, von denen ich letztendlich auch welche kaufte. Auf der dritten Insel wurde mir der Zutritt zur Kirche verwehrt, da dort nur Mönche lebten und Frauen keinen Zutritt hatten. Ich wartete am Steg darauf, dass Jörg und Ziggeh zurückkamen. Das dauerte Dank der Eintrittspreise nicht allzu lange und so fuhren wir zur vierten Insel. Unterwegs sahen wir viele Leute, die mit Papyrusbooten (sogenannten Tankwas) Holz und andere Gegenstände transportierten. Auf der 4. Insel konnte ich die Papyruspflanzen aus der Nähe betrachten.
Wieder zurück am Hotel durfte ich Jörgs Laptop nutzen, um meine Fotos auf meinen USB Stick zu ziehen. Anschließend aß ich in der Sonne auf der Terrasse des Hotels Mittag und machte danach einen Spaziergang auf der „Seepromenade“. Erstaunlicherweise bekam ich keine Begleitung und konnte den Spaziergang und die Ruhe so richtig genießen. Ich setzte mich dann auf einen Stein, mit Blick auf den Tanasee. Es war richtig idyllisch. Irgendwann bekam ich dann doch Besuch von zwei Rasta-Leuten. Wir unterhielten uns eine Weile und dann ging ich zurück zum Hotel. Ach ja, zwischendurch hatte der Guide von den Nilfällen ein paar Mal angerufen. Er wollte sich heute Abend mit mir treffen. Da ich aber schon mit Jörg und  Ziggeh verabredet war, gab ich ihm einen Korb. Er sollte noch mehrfach versuchen, mich im Laufe des Abends zu erreichen, aber ich drückte ihn jedes Mal weg.
Nach meinem Spaziergang duschte ich und wurde dann vom Manager zu einem Drink eingeladen, so dass ich zu spät zu meiner Verabredung mit Jörg und Ziggeh kam… . Aber das macht hier ja nichts. Wir gingen in ein Restaurant an der Hauptstraße und aßen Fisch. Anschließend ging Ziggeh mit uns in eine Bar, in der traditionelle Live-Musik und Tanz stattfand. Neben uns waren noch zwei weitere ferenjis anwesend. Das „tej“, das uns hier serviert wurde, war viel zu süß und schmeckte abscheulich. Jörg fühlte sich etwas fehl am Platze, so dass er vor uns ging. Ich wurde zum Tanz aufgefordert und versuchte den traditionellen Schultertanz. War sehr witzig. Gegen 22 Uhr verließ ich mit Ziggeh die Bar und wir machten uns auf die Suche nach einer Unterkunft für ihn (er wohnt auf dem Uni Gelände, aber das hatte um diese Uhrzeit schon geschlossen). Auf seinen Vorschlag, er könne ja bei mir übernachten, ging ich nicht ein. Wir fanden eine billige Unterkunft für ihn und bald darauf verabschiedeten wir uns am Eingang meines Hotels. Um kurz vor Mitternacht lag ich im Bett.

Montag, 13. April    Bahar Dar

Um 6.30 Uhr stand ich auf und fuhr gegen 7.20 Uhr mit dem Tuktuk zu Jörgs Hotel. Dieses Mal bezahlte ich nur 3 birr! Während ich auf Jörg wartete, bestellte ich mir einen Tee. Gegen 7.50 Uhr gingen wir dann zum gegenüberliegenden Busbahnhof und fanden auch sofort den Bus zu den Nilfällen, auch „Tis Isat“ genannt. Der Bus wirkte arg heruntergekommen und wenig vertrauensvoll, aber dafür sollte uns die Fahrt auch nur 7 birr kosten. Unser Eindruck täuschte uns keinesfalls, wie sich beim Anlassen des Motors herausstellte. Wir wurden angeschoben und dann ging die Fahrt los. Wir brauchten 1 ½ Stunden für die ca. 40 km, also doppelt solange wie mit dem Minibus, mit dem wir am Samstag gefahren waren… . Letztendlich erreichten wir das Tourist Office aber doch. Ich setzte mich mit unserem Guide in Verbindung, der wie zu erwarten war, nicht für unsere Tour zur Verfügung stand (Er hatte sich eben doch mehr erhofft). Dafür übernahm ein Kollege die Tour. Nachdem wir den Ort verlassen hatten, schlängelte sich der Pfad durch weite, trockene Felder und führte dann hinan zu einem tiefen Graben. Über den Graben verläuft eine alte Steinbrücke, die im 17. Jahrhundert von portugiesischen Einwanderern gebaut wurde und heute immer noch genutzt wird. Es ging lange steil bergauf, was bei der Hitze ganz schön anstrengend war. Aber es hat sich gelohnt. Uns wurde ein wunderschöner Blick auf die Fälle des Blauen Nils geboten, wo sich der ruhig dahin fließende Fluss in einen donnernden Katarakt verwandelt. Wir verharrten einige Augenblicke, genossen die Stille und den Ausblick. Dann setzten wir die Tour fort und kletterten auch dieses Mal hinab zum Fuße der Fälle. Ich hatte bereits meine 1,5 Liter Wasser getrunken und war froh, zu wissen, dass es nun bis zum Ort nicht mehr weit war. Am Ticket Office nutze ich die Toilette und anschließend stießen wir auf meinen Guide von Samstag. Er lud uns zu einem Getränk ein, während wir auf den Bus warteten. Er versuchte, mir ein Date für heute Abend abzugewinnen, aber ohne Erfolg. Als der Bus kam, stiegen wir ein (und sollten für das Freihalten unserer beiden Plätze pro Person 20 birr zahlen…, das taten wir natürlich nicht, denn darum hatten wir nicht gebeten).
Zurück am Hotel unterhielt ich mich eine ganze Weile mit der Australierin Emily, die seit einer Stunde auf ihren Ausflug zu den Nilfällen wartete. Der Manager kam hinzu und fragte, ob ich noch einmal kostenlos mitfahren wolle. Ich lehnte allerdings dankend ab. Er spendierte uns Getränke und ließ eigens für mich einen Obstsalat zubereiten. Sehr lecker. Ich duschte und setzte mich anschließend auf die Terrasse des Hotels. Dort traf ich unseren Motorbike Slowenen aus Gondar wieder. Später meinte der Manager, ich solle mich zu ihm und seinen Freunden setzen. Und er lud mich abermals zu einem Getränk ein. Dann fragte er mich, ob ich gegen 18 Uhr mit ihm und seinen Freunden (zwei Frauen und zwei Männern) mit zu einer Bar auf einem Berg kommen wolle, von dort hätte man einen schönen Blick auf Bahar Dar. Gesagt getan. Hätte ich allerdings geahnt, dass unsere Reisebegleite alle nach einander aussteigen würden…, so hätte ich bestimmt nicht zugesagt. Es gab auf dem Berg nicht nur eine sehr abgelegene Bar, sondern auch ein Hotel… . Nachdem wir das Bier (auf meinen Wunsch hin) im Auto getrunken hatten, bat ich Misseratsch, wieder zum Ghion Hotel zu fahren. Er wirkte zwar enttäuscht, tat mir aber den Gefallen. Später kam Jörg noch vorbei und wir aßen mit der Australierin zusammen Abendbrot. Anschließend setzte ich mich zu einer Gruppe Franzosen.

Dienstag, 15. April      Bahar Dar – Addis

Heute gab es in Bahar Dar keinen Strom. Ich setzte mich auf die Terrasse des Hotels und frühstückte mit der Emily und dem Slowenen zusammen. Anschließend traf ich mich mit Jörg in der Saftbar und dann gingen wir auf einen Markt. Jörg und ich sahen uns die Tücher an und bekamen ein definitiv überteuertes Angebot. Wir versuchten zu handeln, mit dem Erfolg, dass der eine Junge meinte, er könne uns hier kein  Angebot machen, wir sollten mit zu seinem Laden kommen. Okay, machen wir das. Ich habe es geschafft, den Preis des Tuches von 120 birr auf 20 birr herunter zu handeln… Jörg war beeindruckt und gestand mir hinterher, dass er es tatsächlich für 100 birr gekauft hätte. Wir aßen im Ghion gemeinsam mit dem Slowenen zu Mittag und Misseratsch verkündete mir, dass er den Flieger heute Mittag nicht mehr bekommen hätte, er würde also ebenfalls heute Abend nach Addis fliegen… . Er würde mich im Auto mit zum Flughafen nehmen. Kurz darauf traf ich Michelle, die Amerikanerin, die in Bahar Dar arbeitet und erzählte ihr, was seit unserem letzten Treffen passiert sei. Sie hätte ähnliche Erfahrungen gemacht und da auch sie heute Abend nach Addis flöge, könnten wir uns ja neben einander setzen.
Michelle und ich verabredeten uns zum Abendessen und auch Jörg kam, um sich von mir zu verabschieden. Im Flughafen musste ich bei der Sicherheitskontrolle meinen Regenschirm aufspannen. Aber noch besser war der Trompetenspieler, der seine Trompete auspacken und darauf spielen musste. Er gab ein kleines Konzert. In Addis verabschiedeten wir uns. Ich nahm ein Taxi nach Gulele und fiel völlig erschöpft gegen 1 Uhr in mein Bett.

Lalibela

61 Fotos

Axum

34 Fotos

Gondar

38 Fotos

Bahar Dar

71 Fotos

 

Autor: birte

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